Medien : Radiopionier, Botschafter der Kultur

Zum Tod von Hans Christoph Knebusch

Joachim Jauer

Ende August 1961, zwei Wochen nach dem Mauerbau. Rias Berlin plante eine Morgenzeitung im Radio als Ersatz für die Westzeitungen, die sich Ostberliner seit dem 13. August nicht mehr beschaffen konnten. Ein ehrgeiziges Programm, das in nur vier Wochen sendefertig sein sollte. Hans Christoph Knebusch, ein damals erst 32-jähriger ZeitfunkMann, entwarf ein Sendemodell mit Nachrichten im Halbstundentakt, Kurzberichten zum Tage, Live-Gesprächen im Studio oder am Telefon ... und Musik. Das alles präsentiert von einem ausgeschlafenen Moderator zwischen 5 und halb 8. Das erste deutsche Hörfunk-Magazin war geboren. Knebuschs „Frühprogramm“ wurde von praktisch allen Stationen kopiert und läuft morgens, mittags, abends bis heute.

Anfang 1963 ging Knebusch zum neu gegründeten ZDF, baute das Studio Berlin auf und wurde Spezialist für Berliner Kultur. Tausende Beiträge lieferte er in 40 Jahren nach Mainz: Nachrichten und Dokumentationen mit „Zeugen des Jahrhunderts“. Er hat wunderbare Porträts des Theatermanns Boleslaw Barlog, des Malers der „Neuen Sachlichkeit“ Christian Schad, des Kunstsammlers Heinz Berggruen oder von Friedrich Luft, der legendären „Stimme der Kritik“, hinterlassen.

Hans Christoph Knebusch ist am 18. Juni im Alter von 77 Jahren nach langem Leiden gestorben; heute wird er in Berlin beerdigt. Der Journalist war ein Vorbild an Geradlinigkeit, Bescheidenheit, Wissen und Fleiß. Der Botschafter Knebusch hat sich um die Kulturhauptstadt Berlin verdient gemacht. Er hat für den Theater-, Konzert- und Opernplatz, für den Ausstellungs- und Festivalort ein Journalistenleben lang mehr getan als mancher Senator oder Kulturfunktionär.

Der Autor war Knebuschs erster Mitarbeiter im Rias-Frühprogramm und später Kollege im ZDF-Studio Berlin.

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