Medien : Rados reportiert

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Ihr Haar weht im Wind, die Bluse sitzt perfekt und hinter ihr schlagen die Bomben ein. So kennt man die Journalistin Antonia Rados, wie sie für RTL und n-tv live über den Irak-Krieg berichtete. Für ihre Kriegsberichterstattung wurde sie mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet. Während ihr erstes Buch „Live aus Bagdad“ eine Art Tagebuch über ihren Einsatz als Kriegsreporterin war, spannt sie in ihrem neuen Buch den Bogen ein wenig weiter: „Wer hat Recht? Gucci oder Allah? Soll der Nahe Osten beten oder shoppen?“, fragt sie. Dahinter verbirgt sich die ernsthafte Frage, ob sich demokratische Ideen gegen eine fundamental-religiöse Ordnung durchsetzen können. Eine erste Antwort bekommt man gleich im Vorwort: „Ich bin keine Prophetin. Aber wenn ich mich mal darauf einlasse, dann fällt mir nur ein Wort ein: düster. Die Zukunft der arabischen Welt ist düster.“ Das Problem seien radikale Islamisten, die bei den Armen der Region und bei Jugendlichen zahlreiche Anhänger finden. Auf über 300 Seiten nimmt die österreichische Journalistin ihre Leser mit auf ihre Reportagereisen in die entlegensten Ecken Saudi-Arabiens, Irans, Afghanistans und schildert an einer Reihe von Einzelheiten, warum nach dem Krieg im Irak das Chaos regiert. Sie redet mit potenziellen Selbstmordattentätern, Regimevertretern und einfachen Menschen auf der Straße. Für alle die, die selbst lieber zu Haus am Schreibtisch sitzen, aber schon immer wissen wollten, auf welche Gefahren sich Journalisten in Krisengebieten einlassen, ist das Buch eine fesselnde Lektüre. elk

Antonia Rados: Gucci gegen Allah. Der Kampf um den Nahen Osten. Heyne Verlag, München 2005. 19,90 Euro

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