Ranking der Wochentage : Der „Tatort“-Faktor

Die Fernsehnutzung in der Fernsehwoche: der Sonntag ist top, der Samstag ist flop

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Die Spitzenstellung für den Sonntag als den Fernsehtag der Woche überrascht vielleicht am wenigsten. Dieser Tag ist „Tatort“-Tag im Ersten, überhaupt scheinen sich die Anstrengungen der Sender und die Aufmerksamkeit des Publikums am besten zu ergänzen. Mehr als 45 Millionen Deutsche ab drei Jahren verbringen am Sonntag die Zeit zwischen 20 Uhr und Mitternacht mit Fernsehen; das sind über 62 Prozent aller Zuschauer, wie die ARD-Medienforschung ermittelt hat. Das Faktum kann damit zu tun haben, dass am Sonntag das Wochenende ausläuft, der Wunsch nach Häuslichkeit zunimmt, mit dem Fernsehen der Übergang zur Schul-, zur Arbeitswoche gestaltet werden soll.

Auch der Montag zieht mit 43,52 Millionen Zuschauern mehr Publikum als die übrigen Wochentage. Danach sinkt die allgemeine TV-Nutzung kontinuierlich zum Samstag hin ab – als ob der Hunger nach Fernsehen über Sonntag und Montag über die Maßen gestillt worden wäre. Jedenfalls ist nicht erkennbar, dass ARD, RTL & Co. während der Woche weniger Aufwand betreiben.

Freitag und Samstag erreicht der Zuspruch zum Medium seine Tiefpunkte, Samstag als klassischer Ausgeh-Tag markiert mit 39,80 Millionen Zuschauern die Talsohle. Die Programme reflektieren diese Entwicklung kaum, immer noch wird, wie mit „Wetten, dass...?“ im ZDF, die „große Samstagabend-Show“ ausgerufen. Dieser Lockruf war früher erfolgreicher, als die Erholung, die Alternative zum Alltag in den Gala-Auftritten eines Hans-Joachim Kulenkampff, eines Rudi Carrell gesucht und gefunden wurde.

Vergleicht man man die jüngeren und älteren Generationen miteinander, ändert sich an der grundsätzlichen Reihenfolge der Wochentage nichts. Dass Ältere generell im Fernsehen noch stärker einen Begleiter sehen, dürfte nicht überraschen. ARD-Medienforscher Camille Zubayr sagt, „die Unterschiede zwischen den einzelnen Wochentagen sind bei den Älteren auch geringer, ihr Fernsehalltag also gleichförmiger“. Für alle Zuschauergruppen gilt: Fernsehen ist eine Alltagsbeschäftigung wie Essen, Arbeiten, Schlafen.

Natürlich sind die Zuschauer je Sendung verschieden, zum Beispiel bei den Präferenzen nach Geschlecht. Laut ARD-Medienforschung sind 73 Prozent des Publikums bei der Pro-Sieben-Serie „Grey’s Anatomy“ Frauen ab 14 Jahren, die Rosamunde-Pilcher-Schnulzen im ZDF und die Herz-Schmerz-Werke im Ersten erzielen vergleichbare Werte. Schon eher eine Überraschung ist, dass sämtliche politischen Magazine der ARD stärker von Frauen als von Männern eingeschaltet werden – von „Monitor“ (60 : 40 Prozent) bis „Fakt“ (53 : 47 Prozent). Die Richtung der Verteilung ändert sich erst bei den Ratgebern „Technik“ und „Auto + Verkehr“ und kulminiert bei der Bundesliga-„Sportschau“: 67 Prozent Männer gegen 33 Prozent Frauen.

Das mag erwartbar sein und fällt doch gegenüber den einschlägigen Printtiteln auf. „Auto-Bild“ mit 94 Prozent oder der „Kicker“ mit 95 Prozent sind von den Männern monopolisiert. Heißt: Vor dem Fernseher sitzen oft Paare, womit nicht nur ein Geschmack den Fernsehabend dominieren kann und darf. Joachim Huber

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