Medien : „ran“?„Sportschau“?

NAME

Anstoß: 15 Uhr 30. Dann entscheidet die Deutsche Fußball-Liga (DFL), wer die Übertragungsrechte für die Fußball–Bundesliga erhält. Im Kern geht es darum, ob die ARD mit der „Sportschau“ oder weiterhin Sat 1 mit „ran“ zum Zuge kommt. Das Rennen ist völlig offen. Auf der einen Seite bietet der Filmhändler Herbert Kloiber für die ARD mit, auf der anderen Seite agiert Kirch-Media für „ran“ beim Privatsender Sat 1.

„Wir stehen bereit“, sagt ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf. Sollte der öffentlich-rechtliche Sender den Zuschlag bekommen, „wird die Sportschau am 10. August über alle Spiele, alle Tore berichten“. Die alte „Sportschau“ würde neu belebt – jeden Samstag mit Fußball ab 18 Uhr. Boßdorf denkt an die Gründung einer „eigenen ARD-Fußballredaktion in München, Köln oder Hamburg“. Der Moderator stünde schon fest: Gerhard Delling.

Der DFL, dem Zusammenschluss der Profivereine, liegen zwei Angebote vor. Die Offerte des Filmhändlers Kloiber: Der Spieltag am Samstag mit sieben Spielen wird in der „Sportschau“ um 18 Uhr zusammengefasst; damit hätte die ARD die ersten Bilder von der Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen. Sat 1, das in der vergangenen Saison alle Spiele bei „ran“ zeigte, soll sich mit Berichten über die beiden Partien am Sonntag begnügen. Für die Live-Übertragungen wäre auf jeden Fall der Bezahlsender Premiere zuständig.

Wenn es nur nach der Höhe der Angebote gehen würde, wäre die Vergabe bereits entschieden. Kloiber bietet 320 Millionen Euro pro Saison und 1,3 Milliarden für vier Spielzeiten. Kloiber hat zudem Erfahrung beim Deal mit Fernsehrechten: Einst versorgte er den Privatsender tm 3 mit den Übertragungsrechten an der Champions League. Kloibers Konkurrent, die insolvente Kirch-Media, bietet dagegen nur 300 Millionen je Saison.

Der Vorstand der Deutschen Fußball-Liga prüft die Angebote in ihrer Gesamtheit. Sprecher Tom Bender sagte dem Tagesspiegel, dass der Verband „keine Geldentscheidung“ treffen werde. Kloiber bietet Bankbürgschaften, einen Vierjahresvertrag und hat Abnehmer für die Free-TV- und Internet-Rechte gefunden. Das sind solvente Kunden. Was er nicht hat, ist ein Interessent beim Pay-TV. Denn das einzige deutsche Bezahlfernsehen, Premiere, sieht sich in einer „unauflösbaren Bietergemeinschaft“ mit Kirch-Media, sagt Premiere-Chef Georg Kofler. Zu Kirch-Media gehört auch Sat1. Das spricht für den Privatsender. Aber es spricht auch gegen ihn. Denn Kirch-Media befindet sich mitten im Insolvenzverfahren. Das mindert die Attraktivität. Und niemand weiß genau, wem Sat 1 demnächst gehören wird, und womit sich der Sender dann profilieren will. jbh/meh

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben