Medien : Rasender Reporter

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Gottschalk Amerika. ZDF. „Who the hell is that?" Mein amerikanischer Freund zeigt auf den Fernsehbildschirm. Dort hat gerade Thomas Gottschalk an einem Schreibtisch Platz genommen, der dem des amerikanischen Präsidenten täuschend ähnlich sieht. „Das ist Deutschlands bekanntester und beliebtester Showmaster“, erkläre ich. „Was macht der da im Weißen Haus? Will der jetzt Präsident werden?“ Mein amerikanischer Freund, nennen wir ihn der Einfachheit halber George, also George, ist „not amused“.

Ich bin’s schon, denn der Auftakt von „Gottschalk America" gestaltet sich, aus deutscher Sicht, durchaus unterhaltsam und kurzweilig. „Sind wir jetzt nicht froh,dass es mich gibt? Muss jetzt nicht, in dieser Situation, ein Unterhalter die Scherben zusammenkehren, die die Politiker hinterlassen haben?" fragt er und kündigt an: „Es ist nicht so, dass ich Ihnen Amerika als das Allertollste präsentieren würde, denn das ist es nicht. Viele Dinge sind hier großartig, manches werden wir nie begreifen, und in manchem werden uns die Amerikaner nie begreifen.“ „Wohl wahr", grummelt George und rückt sich das Kissen zurecht.

Gottschalk rast los. In atemberaubenden Tempo präsentiert er seine Sicht auf die Klischees, die die Deutschen den Amis so gern um die Ohren hauen: Der amerikanische Patriotismus, die vulgäre Popkultur, Fast Food, das gnadenlose Rechtssystem, der Kampf der Schwarzen um Anerkennung, Gewaltfilme aus Hollywood, schlechte Zugverbindungen. Dafür hat er interessante Beispiele gefunden, der Beitrag über das Frauengefängnis Chowcilla macht Lust auf mehr. Trotz der hektischen Bilderflut – warum ist das alles so überdreht zusammengeschnitten? – gleitet er nicht ab ins Plakative. Richtig witzig wird es bei den Straßenumfragen: „Wie nennt man dieses typische deutsche Kleid? Dirndl, Stoiber oder Almdudler?" Als ein Passant überzeugt mit „Stoiber" antwortet, kann auch mein Freund George herzlich darüber lachen, obwohl ihm die Unwissenheit seiner Landsleute doch reichlich peinlich ist.

Gefallen hat ihm vor allem der Beitrag über die luxuriösen Auto-Waschanlagen. Da könnten wir Deutschen doch nun wirklich noch etwas lernen. Solche Waschanlagen, wo viele Arbeiter, die Autos per Hand blitzsauber wienern, würden doch eine Menge Arbeitsplätze schaffen! Gern hätte ich etwas darauf erwidert – nämlich dass die Angestellten dort meist nur zwischen fünf und sieben Dollar verdienen –, aber dann hätte ich den Rausschmeißer-Beitrag über den sympathischen Paul Anka verpasst. Fazit: Das war America Light, so wie Gottschalk es in einem Interview auch angekündigt hatte. Nicht mehr und nicht weniger. kra

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