Medien : Raus Lieblingswelle

Das Deutschlandradio wird zehn 1,4 Millionen schalten täglich ein

Joachim Huber

Der erste Mann im Staat machte das größte Kompliment: „Deutschlandradio zu hören, ist etwas Angenehmes.“ Ein Lob von Bundespräsident Johannes Rau, das er in seinem Beitrag zur Festschrift „Bundesweit und werbefrei – Zehn Jahre Deutschlandradio“ formuliert. Rau teilt seine Zuneigung zu den Programmen aus Berlin (Deutschlandradio mit Schwerpunkt Kultur) und Köln (Deutschlandfunk als Informationssender) mit immer mehr Hörern. Das ist nicht allein der ständig wachsenden Zahl an UKW-Frequenzen in Deutschland geschuldet, sondern dem Zuwachs in jenen Sendegebieten, in denen beide Programme schon länger ausgestrahlt werden. Sagte Intendant Ernst Elitz am Mittwoch in Berlin und nannte folgende Zahlen: „1,4 Millionen Hörer schalten sich täglich ein“, davon entfielen 1,18 Millionen auf den Deutschlandfunk und 220 000 auf das Deutschlandradio Berlin. Der durchschnittliche DLR-Hörer ist nicht mehr ganz jung, beim Programm aus Berlin kommt er auf 55 Jahre, beim Angebot aus Köln kommen noch ein, zwei Jahre drauf. Aber, und darauf wies Gerda Hollunder, Programmchefin von DLR Berlin, hin: „Unser Publikum war beim Sendestart Ende 50.“ Was zur Verjüngung auch beiträgt, ist die steigende Nutzung der beiden Programme via Internet, zumal in den Regionen, in denen noch keine UKW-Verbreitung stattfindet.

Der Start des Deutschlandradios am 1. Januar 1994 war schwierig, ja dramatisch, als nicht nur drei Sender (RIAS, Deutschlandsender Kultur, Deutschlandfunk), sondern drei sehr unterschiedliche Kulturen und Traditionen zueinander finden mussten. Gerade in Berlin, wo die Mitarbeiter des westlich geprägten RIAS und des ostdeutschen Deutschlandsenders Kultur unter einem Dach ein gemeinsames Angebot erarbeiten mussten. Das ist gelungen, so wie es beiden Häusern geglückt ist, hin und wieder aufflackernde Diskussionen über Zweck und Notwendigkeit der gebührengestützen Sender leer laufen zu lassen. Beide Programme haben ihren Stand und ihre Stellung in Hörfunk-Deutschland.

Das will gefeiert sein: mit einer Ausstellung, erst im Berliner, dann im Kölner Funkhaus, mit Symposien, natürlich mit Programm-Schwerpunkten und mit einem Konzert im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, bei dem die Komposition „Aristaeus“ von Hans Werner Henze uraufgeführt wird.

Gerda Hollunder wird Ende März 2004 altersbedingt ausscheiden, DLF-Programmdirektor Günter Müchler wird dann beide Programme leiten. Intendant Elitz verneinte, dass dies eine Bevorzugung des Kölner Standortes bedeute. Auch wenn sich die Linksrheinischen im DLR etwas darauf einbilden könnten, was Rau über den Deutschlandfunk geschrieben hat – „ohne Übertreibung mein Lieblingssender“.

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