Rauswurf : Eva Herman - die Unverbesserliche

Nach fast 20 Jahren beendet der NDR seine Zusammenarbeit mit Eva Herman. Äußerungen über die Familienpolitik der Nazi-Zeit haben der Talk-Moderatorin den Job gekostet.

Markus Ehrenberg
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Das Maß war wohl voll. Der NDR und Eva Herman gehen fortan getrennte Wege. -Foto: dpa

Bei der Vorstellung ihres Buches „Das Eva-Prinzip“ sagte Eva Herman im September 2006 in der Bundespressekonferenz, sie fühle sich von einer Journaille, die zu 70 Prozent kinderlos ist, missverstanden. „Die Reduzierung meiner Thesen auf den Slogan ,zurück zum Herd’ ist falsch.“ Hermans neueste Thesen konnten nicht mehr missverstanden werden. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat am Sonntag mit sofortiger Wirkung seine Zusammenarbeit mit der Moderatorin beendet. „Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin. Dies ist nach ihren Äußerungen anlässlich einer Buchpräsentation in der vergangenen Woche deutlich geworden“, sagt Volker Herres, NDR-Programmdirektor Fernsehen. Am Wochenende hatten Zeitungen berichtet, dass Herman bei der Vorstellung ihres Buches in Berlin den Umgang der Nationalsozialisten mit Werten wie „Kinder, Mütter, Familie, Zusammenhalt“ als „das, was gut war“ bezeichnet habe.

Die Unverbesserliche also. Und keine Spur von Missverständnis. Im Grunde genommen hätte Eva Herman das Ende ihrer NDR-Aktivitäten gleich selber vorab schriftlich einreichen können. Dem NDR gegenüber soll sie am Sonntag ihre in der „Bild am Sonntag“ zitierte Aussage bestätigt haben, wonach „Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft.“ Teilnehmern zufolge soll Herman bei ihrer Buchvorstellung in Berlin gesagt haben, „im ,Dritten Reich’ sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter“. Wer derart penetrant die Bevölkerungspolitik der Nazis lobe, sei als Mitarbeiterin eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht länger tragbar, empörte sich nicht nur Julia Seeliger, Frauen- und geschlechterpolitische Sprecherin im Landesvorstand B90/Grüne Berlin.

In der Causa Eva Herman waren seit längerem Konsequenzen gefordert wurden. Nun reagierte der NDR: Zur prompten Entscheidung habe auch geführt, dass Herman, die beim NDR freie Mitarbeiterin gewesen war, einen Auftritt bei einer Unterorganisation der rechtspopulistischen österreichischen FPÖ geplant hatte, den sie „erst nach Intervention absagte“. Anlässlich dieses Beinahe-Auftritts habe der NDR die Moderatorin im März eindringlich gebeten, alle Handlungen und Äußerungen zu unterlassen, „die geeignet sind, ihr öffentliches Bild als Talk-Moderatorin und damit auch das des NDR zu beschädigen“. Zugleich sei Eva Herman darauf hingewiesen worden, dass eine klare Trennung zwischen ihrer Arbeit als Talk-Moderatorin und als Buchautorin unabdingbar sei, erklärte Herres. Es sei jedoch immer wieder zu Vermischungen gekommen. In der „Tagesschau“, zu deren Team Eva Herman 1989 kam, war die 48-Jährige seit August 2006 nicht zu sehen. Die Sprecherin wollte sich für ein bis zwei Jahre bei ARD-aktuell zurückziehen, sich verstärkt ihrer Tätigkeit als Autorin widmen. Die gelernte Hotelkauffrau begründete ihren Entschluss gegenüber dem Chef von ARD-aktuell, Kai Gniffke, mit ihrem kontrovers diskutierten Buch zum Thema Emanzipation („Das Eva-Prinzip“). „Mit Rücksicht auf die Neutralität der ,Tagesschau’ will sie ihre Arbeit hier ruhen lassen“, so Gniffke damals.

Die NDR-Talkshow „Herman & Tiedjen“ indes lief weiter. In Umfragen zur beliebtesten Moderatorin Deutschlands landete Herman öfters auf Platz eins. Kritiker schüttelten aber den Kopf über die öffentliche Frau, die sich um Kopf und Kragen zu reden schien. So forderte Herman am Rande der IFA die Kirchen zu einer stärkeren Präsenz in Talk-Shows auf, um zum „Auftrag von Mann und Frau“ Stellung zu nehmen. „Äußerungen wie diese wirken polarisierend“, sagt Herres. „Das Ergebnis spürt unsere Redaktion: Gäste sagen ihren Auftritt bei ,Herman und Tietjen’ ab oder stehen nicht zur Verfügung.“ Herman stehe es frei, ihren „Mutterkreuzzug“ fortzusetzen, mit der Rolle einer NDR-Moderatorin sei dies nicht länger zu vereinbaren. Wer bei „Herman & Tietjen“ am Freitag neben Bettina Tietjen durch die Sendung führt, will der NDR „kurzfristig“ klären.

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