Medien : RBB: Jan Lerch, Dagmar Reim und ein Etat für 2005

Joachim Huber

Im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) spielen sie weiterhin Ukraine, entsprechend sind die Rollen verteilt: Alle Fraktionen sehen sich als die Guten. So wurde die Rundfunkratssitzung am Montagabend in Potsdam von zahlreichen Mitarbeitern mit Parolen und Plakaten wie „Rücknahme der Kündigungen von Jürgen Schäfer und Jan Lerch“ orchestriert. Die Direktion um Intendantin Dagmar Reim ging darauf nicht ein. Reims Appell bleibt, dass „alle aufgerufen sind, die unvermeidlichen Aufwandsminderungen mit Vorschlägen und Maßnahmen zu unterstützen“. Immerhin, Reim kommt häufiger ohne Imperativ in der Stimme aus, wie auch Mitarbeitervertreter Jan Lerch bei einem improvisierten Pressegespräch vor den Türen der Gremiensitzung Möglichkeiten einer Verständigung andeutete und zugestand, dass der Ton in den letzten Tagen zu schrill war.

Dagmar Reim wurde vom RBB-Rundfunkrat nicht bloßgestellt, von ihrem Kurs der wirtschaftlichen Konsolidierung muss sie nicht abweichen; verbessern müssen sie und ihre Direktoren ihre Vermittlungsleistung, die Kommunikation des Sender-Kurses. Michael Müller zum Beispiel, der Berliner SPD-Landes- und Fraktionvorsitzende, beklagte, dass die Räte „aus der Presse erfahren, wenn Sendungen im RBB-Fernsehen eingestellt werden“. Prompt lud Reim das Gremium zu einem Klausur über die Philosophie des Programms ein.

Dass der Kurs der Senderspitze akzeptiert wird, zeigte die Abstimmung über den Etat 2005: Nur Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Der RBB erwartet 2005 einen Überschuss von 228 000 Euro. Der Wirtschaftsplan sieht Erträge von 392,1 Millionen Euro und Aufwendungen in Höhe von 391,9 Millionen Euro vor, erläuterte Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter. Für 2004 werde ein Fehlbetrag von 25,2 Millionen Euro ausgewiesen. Bis 2008 müsse der Sender insgesamt 35 Millionen Euro einsparen. Der RBB plant nach Brandstäters Angaben bis 2009 die Streichung von rund 300 Stellen. Der Abbau erfolge sozialverträglich.

Zum neuen Vorsitzenden des RBB-Rundfunkrates wurde der Präsident der Universität der Künste Berlin, Lothar Romain, gewählt. Er folgt dem Potsdamer Superintendenten der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Bertram Althausen.

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