RBB-Krimi aus Brandenburg : Der neue "Polizeiruf" als Krieg der Knöpfe

Der Brandenburger „Polizeiruf“ bringt die Rohrbombe in die Schule. Hoffentlich bekommt Horst Krause bei seiner nächsten, seiner letzten Krimi-Folge einen besseren Abschied.

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Schuldirektorin Bärbel Strasser (Corinna Kirchhoff, li.) empfindet die Ermittlungen der Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) als überflüssig.
Schuldirektorin Bärbel Strasser (Corinna Kirchhoff, li.) empfindet die Ermittlungen der Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) als...Foto: RBB

Was ist eigentlich los mit unseren Lehrern? Haben die ständig Probleme mit den Schülern? Oder eher mit sich selber? Mit Überforderung, dem Job als solchen? Oder gar mit den Kollegen und den Direktoren, die manche Lehrkräfte schlicht für unfähig halten? Kurz: Wer jagt hier wen? Zeit für das Thema „Schule in der Krise“ in einem populären Krimi, wird sich der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) gedacht haben, und die Fragen, die dabei aufgeworfen werden, sind schon mal nicht schlecht. Die Protagonisten auch nicht. Maria Simon, die die Kommissarin Olga Lenski spielt, hat selber vier Kinder und würde schultechnisch vieles reformieren wollen, hat sie im Vorfeld dieses neuen „Polizeiruf“ gesagt.

Vor allem viel mehr praxisbezogene Arbeit sei wichtig. Maria Simon hatte noch einen konkreten Anlass, sich mit der Thematik besonders intensiv auseinanderzusetzen. Sohn Ludwig pausiert derzeit für ein Jahr mit der Schule. Er stand für „Hexenjagd“ mit seiner Mutter vor der Kamera. Der 16-Jährige spielt die Rolle eines verdächtigen Schülers. Denen beiden, Mutter und Sohn, gemeinsam bei der Arbeit vor der Kamera zuzuschauen, ist noch das Spannenste an diesem „Polizeiruf“ aus Brandenburg, der sich ansonsten, das muss so deutlich gesagt werden, eine Auszeit genommen hat.

Die Schüler stören, beleidigen, terrorisieren

So eindringlich dieser Krimi auch losgeht. Die Jugendlichen der zehnten Klasse haben „null Bock“ auf Unterricht, stören, beleidigen und terrorisieren die junge Referendarin Josephine Mayfeld (Kim Schnitzer). Die unnahbar und kalt wirkende Direktorin Bärbel Strasser (Corinna Kirchhoff) geht dazwischen, bittet die Referendarin zu einem klärenden Gespräch in ihr Büro. Dort explodiert eine Rohrbombe. Schwer verletzt wird nicht die Strasser, sondern die junge Referendarin, die in ihrem Büro auf eine Aussprache wartet und später im Krankenhaus angibt, sich an nichts erinnern zu können. 

Die Verdächtigenschar ist unübersichtlich. Bei den Schülern Tobias Lubkoll (eben: Ludwig Simon) und Ben Wieland (Anselm Bresgott) stehen die Abschlussprüfungen der zehnten Klassen kurz bevor. Sie könnten mit einem Anschlag irgendwie Zeit schinden. Der Chemielehrer Zerbe (Rainer Sellien) ist offenbar frustrierter Vize-Direktor der Schule und kann auch noch Bomben bauen, der Hausmeister Radke (Franz Rogowski) guckt ziemlich sinister, promoviert, wie das bei Hausmeistern so üblich ist, über das „Böse im Menschen“ und liegt später maskiert mit der Direktorin im Bett.

Ganz schön krude, was sich Kristin Derfler und Angelina Maccarone (die auch Regie führt) da ausgedacht haben. Schade um das Thema Druck und Überforderung in der Schule. Stärkste Sätze dazu: „Wenn man glaubt, man kann nicht mehr, hat man noch 40 Prozent.“ oder auch: „Wenn Sie in diesem Beruf Schwächen zeigen, dann rächt sich das.“ Berlin und Brandenburg suchen ja wohl noch Lehrer als Quereinsteiger. Dieser Film taugt nicht als Jobanreiz. Der „Krieg der Knöpfe“, diese bekannte kindliche Résistance, ist ein Kinderspiel gegen das, was sich hier in manchen Klassenzimmern und auf Schulhöfen abspielt.

Die Auflösung ist absurd.

Dennoch oder trotzdem: Dieser „Polizeiruf“ schleppt sich so zäh und vorhersehbar dem Ende zu wie manche Diskussion über Bildungsreformen. Da helfen auch keine Kamerafahrten über Schulflure, brandenburgische Seen, Mutter & Sohn-Geschichten, Theaterstar Corinna Kirchhoff als wundersam unnahbare Direktorin sowie Zeitlupenwiederholungen von der Rohrbombenexplosion. Die Auflösung dieses Krimis ist absurd.

Maria Simon und Horst Krause hätten einen besseren Abschied verdient. Im Mai 2015 dürfen die zwei zum letzten Mal gemeinsam ermitteln. Nach insgesamt 16 Jahren geht der dicke Krause in Krimi-Rente (und macht in seinen komödiantischen Solo-Film-Reihen im Ersten weiter). Die Coole und der Gemütliche – so richtig warm sind die beiden Ermittler nie geworden. Kommissarin Olga Lenski wird demnächst für den RBB in einer deutsch-polnischen Mordkommission Verbrechen aufklären. Fehlen nur noch bessere Geschichten.

„Polizeiruf – Hexenjagd“, Sonntag, ARD, 20 Uhr 15

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