Medien : RBB und Redakteur vor Arbeitsgericht

Joachim Huber

Für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ist die Sache klar: Martin Demmler soll nie wieder als Redakteur für das Kulturradio des Senders arbeiten dürfen. Demmler wurde fristlos gekündigt, der Redakteur klagt dagegen, heute treffen sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht in Berlin. Ursache der Kündigung war ein Brief, den Demmler an die Intendanten Fritz Pleitgen (WDR), Jobst Plog (NDR) und die RBB-Chefin Dagmar Reim geschrieben hatte. Nicht mit seiner Unterschrift gezeichnet, sondern mit der gefälschten Unterschrift eines freien Mitarbeiters. Nach Aussage von Reinhart Binder, Justiziar des RBB, ist dieses strafrechtlich relevante Verhalten eine „so massive Störung des Vertrauensverhältnisses“, dass der Sender auch nach Abwägung anderer Maßnahmen – Abmahnung, Versetzung – keine andere Lösung als die fristlose Kündigung sah und sieht.

Ursache der Aktion von Martin Demmler, der sie selbst tief bereut, war eine Frühmoderation von Christian Detig, Musikchef des Kulturradios, am 30. Mai 2005. Detig wollte mit einem Zitat aus einer Rede von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels über die Aufgaben des Rundfunks auf Hörerfang gehen. Goebbels plädiert darin für „Entspannung und Unterhaltung“. Dann O-Ton Detig: „Ich behaupte mal, das könnte so ohne Abstriche jeder ARD-Intendant auch unterschreiben, ich übrigens auch. Ich lass’ es aber lieber, denn dieses Zitat stammt von – bitte anschnallen – Joseph Goebbels (…) Das Leben von Joseph Goebbels ist jetzt Theater geworden (…).“

Diese Anmoderation führte in der Redaktion zu heftigen Kontroversen, Detig wurde von Hörfunkdirektorin Hannelore Steer gerügt. Diese Kontroversen ohne Konsequenzen ließen Demmler, den Redakteur für Neue Musik, zur Tat schreiten. Mittlerweile versammeln sich hinter seiner Person Lobbyisten und Komponisten zeitgenössischer Musik sowie sämtliche Kritiker an dem Kulturradio, das Radio Kultur abgelöst hat und seit Dezember 2004 nach breiter Akzeptanz sucht. RBB-Sprecher Ulrich Anschütz bittet um „zwei, drei Jahre Geduld“ für den Sender und ergänzt, dass das Kulturradio zwar den Anteil der Neuen Musik gesenkt, zugleich „Kinderkonzerte“ ins Programm genommen habe.

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