Reaktionen : Integration abgesagt

Dass der RBB aus finanziellen Gründen ausgerechnet sein Radio Multikulti einstellen will, hat gestern viele verärgert, die sich in Berlin mit Migration und Integration beschäftigen. „Für mich ist vollkommen unverständlich, dass die Sanierung des RBB ausschließlich zu Lasten der Multikulturalität gehen soll“, sagte Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening. Schließlich sei Berlin eine Stadt, in der jeder Vierte einen Migrationshintergrund habe.

Für die türkischen Hörer machte Bekir Yilmaz, Präsident der Türkischen Gemeinde zu Berlin, seinem Ärger Luft: „Das ist natürlich nicht das richtige Signal an die türkische Community“, sagte Yilmaz. Das Programm spiele für die Berliner Türken eine wichtige Rolle, und diese zahlten schließlich auch Gebühren. Die Einstellung des kurdischen Sendefensters kritisierte Bawer Saed, Mitarbeiter des Kurdistan Kultur- und Hilfsvereins e. V. Berlin: „Radio Multikulti ist sehr bekannt, viele Kurden hören den Sender regelmäßig“, sagte Saed. Das Programm habe die kurdische Community außerdem über viele Veranstaltungen informiert.

Mit der Schließung von Radio Multikulti verschwindet auch die einzige Sendung, die im deutschen Radio in Romanes ausgestrahlt wird, der Sprache der Sinti und Roma. „Die in Romanes ausgestrahlte Sendung wird mir sehr fehlen“, sagte der Sozialarbeiter und in Deutschland geborene Roma Miman Jasarovski. Natürlich könne er sich auch aus dem Internet Informationen besorgen. Allerdings sei Romanes eine gesprochene und keine Schriftsprache, und deshalb passe sie viel besser ins Radio.

Mit Unverständnis und Bedauern hat die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), reagiert. „Mit der Entscheidung, Radio Multikulti einzustellen, gibt der RBB seinen integrationspolitischen Anspruch als Metropolenprogramm auf.“ Das WDR-Programm „Funkhaus Europa“ sei kein Ersatz. (tsp/rni)

0 Kommentare

Neuester Kommentar