Reaktionen : Sekundenglück

Die ARD und die Fernsehlotterie sind mit dem ersten Einsatz von Lierhaus zufrieden. Auch der Sozialverband VDK sieht keine Zurschaustellung.

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Rückkehr. Monica Lierhaus moderiert die ARD-Fernsehlotterie. Screenshot: Tsp
Rückkehr. Monica Lierhaus moderiert die ARD-Fernsehlotterie. Screenshot: Tsp

Die Fernsehbilder haben nicht wirklich verraten, wie es Monika Lierhaus geht. Das knapp zwei Minuten lange Comeback als Moderatorin, als Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ am Sonntag war geprobt, aufgezeichnet, auf Nummer Sicher gearbeitet. Die eigene Erinnerung an die Sportjournalistin vor der Krankheit lässt den Zuschauer schlucken – und sie ist falsch. Richtig kann nur sein, den Auftritt bei der „Goldenen Kamera“ am 5. Februar mit dem am Sonntag zu vergleichen. Da ist Fortschritt zu sehen, da ist mehr Mimik; jene mechanische Puppe von damals, auf der Bühne bewegt wie auf Schienen, hat insbesondere bei der Sprache an Bewegung und Rhythmus gewonnen. Da saß und moderierte kein gesunder Mensch, sondern einer, der mit Rehabilitation ins Arbeitsleben zurückfinden will. Dies als Eindruck, nicht als Diagnose.

Mario Czipull, Sprecher der Fernsehlotterie, sagte dem Tagesspiegel, der erste Auftritt von Monica Lierhaus „war ein erfolgreicher Auftakt für viele weitere, die nun folgen. Sowohl von Mitspielern als auch von Menschen, die bisher kein Los der Fernsehlotterie besitzen, gab es viele positive Reaktionen, die sich für Monica Lierhaus freuen und sie beglückwünschen zu ihrer Rückkehr auf den Bildschirm.“ Die ARD-Fernsehlotterie freue sich darüber, dass sie nun regelmäßig die Ziehungssendungen moderieren werde.

Auch ARD-Programmdirektor Volker Herres zeigte sich mit der Premiere zufrieden. Er sagte dem Tagesspiegel, „der Auftritt von Monica Lierhaus verdient Respekt“. Sie wisse um die Einschränkungen, die die Erkrankung ihr auferlege, traue sich aber trotzdem vor ein Millionenpublikum und mache damit vielen Menschen Mut. Die Premiere am Sonntag um 18 Uhr 48 fand ihr Publikum. 2,63 Millionen Zuschauer verfolgten am Sonntag den kurzen Auftritt der neuen Botschafterin der ARD-Fernsehlotterie. Etwas erfolgreicher – nach Quotenmaßstäben – war die Bekanntgabe der Gewinner der ZDF-„Aktion Mensch“ um 19 Uhr 28 mit 2,93 Millionen Zuschauern.

Lierhaus Engagement wird ebenfalls von den Behindertenverbänden mit Interesse verfolgt. Eine Zurschaustellung der früheren „Sportschau“-Moderatorin, die vor mehr als zwei Jahren nach einer Hirn-Operation zeitweise ins Koma gefallen war, sei der Auftritt nicht gewesen, sagte Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbandes VDK. „Frau Lierhaus hat schließlich selbst entschieden, dass sie wieder im Fernsehen auftreten möchte.“ Ob Lierhaus aufgrund ihrer Einschränkungen womöglich als Botschafterin von „Ein Platz an der Sonne“ glaubwürdiger als ihr Vorgänger Frank Elstner wirkt, ist nach Ansicht von Mascher jedoch schwer zu bewerten. Sie hofft dennoch auf einen positiven Effekt. „Ich würde mir wünschen, dass alle Menschen nach einer so schweren Krankheit so viel Unterstützung und Wohlwollen von ihrem Arbeitgeber bei der betrieblichen Wiedereingliederung erhalten wie Monica Lierhaus.“

Das Engagement von Lierhaus ist allerdings nicht unumstritten. Kritisiert wurde vor allem die Höhe ihres Honorars, das jährlich 450 000 Euro betragen soll. In früheren Zeiten hatten Schauspieler wie Curd Jürgens oder Peter Ustinov ehrenamtlich für die Organisation geworben. Aus Protest über Lierhaus’ Honorar hatte die ARD-Fernsehlotterie nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten mehr Los-Kündigungen als üblich verzeichnen müssen. Die Organisation verwies darauf, dass Lierhaus’ Aufgaben umfangreicher als die früherer Botschafter gewesen seien. So soll sie nicht nur jährlich rund 50 Sendungen zur Ziehung der Wochengewinner präsentieren, sondern auch bei Grundsteinlegungen oder Scheckübergaben in Einrichtungen, die von „Ein Platz an der Sonne“ unterstützt werden, dabei sein. Unter dem Slogan „Ich weiß, wie wichtig Hilfe ist“ wirbt sie zudem auf Plakaten, Anzeigen und Informationsschreiben für die Soziallotterie.

Die 40-jährige Lierhaus kann weiterhin nur stark eingeschränkt agieren. Erst Anfang Mai war sie in ihrem Haus beim Treppensteigen gestürzt, hatte sich fünf Rippen gebrochen und musste ins Krankenhaus. Ihr Einsatz als Botschafterin werde durch den Unfall aber nicht eingeschränkt, hieß es von der Lotterie. Zwölf Sendungen für sechs Wochen seien mit Lierhaus in den vergangenen Wochen bereits aufgezeichnet worden, auch die Sendung am Sonntag war nicht live.

Lierhaus sagte, dass es ihr wieder viel Spaß mache, vor der Kamera zu stehen. Mit ihrem Auftritt bei der „Goldenen Kamera“ war sie das erste Mal ins Rampenlicht zurückgekehrt und hatte ihrem Partner Rolf Hellgardt einen Heiratsantrag gemacht.

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