Reaktionen und Kommentare : "Charlie Hebdo": Sie machen weiter

Dem Attentat zum Trotz: Die französische Satirezeitschrift erscheint in der kommenden Woche. "Asterix"-Zeichner verneigt sich vor den getöteten Journalisten

Cartoon von David Pope
Cartoon von David PopeFoto: Promo

„Wir werden weitermachen“, sagte „Charlie Hebdo“-Autor Patrick Pelloux am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. „Wir haben uns entschieden, kommende Woche eine Ausgabe herauszugeben. Wir sind alle einverstanden.“ Die Mitarbeiter der Zeitung würden von zu Hause aus arbeiten, da die Redaktionsräume aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht genutzt werden könnten. Wie der Anwalt der Zeitung, Richard Malka, mitteilte, solle die Auflage der nächsten Ausgabe eine Million betragen. In der Regel liegt die Auflage von „Charlie Hebdo“ bei rund 60 000 Stück. Ältere Hefte werden mittlerweile bei Ebay für über 1000 Euro verkauft.

Unter den Opfern des Attentats sind acht Mitarbeiter der Zeitung, darunter auch ihr Leiter Stéphane Charbonnier – mit Künstlernamen Charb – sowie vier weitere Karikaturisten. Pelloux betonte, die Zeitung werde sich nicht unterkriegen lassen. „Das ist sehr hart, wir alle sind voller Leid, Schmerz, Angst“, sagte er. „Aber wir machen es trotzdem, denn die Dummheit wird nicht gewinnen. Charb hat immer gesagt, dass die Zeitung erscheinen müsse, koste es, was es wolle.

Papst Franziskus hat auf Twitter einen eigenen Hashtag für die Opfer des Attentats auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ geschaffen. Franziskus veröffentlichte am Donnerstag in dem sozialen Netzwerk das Zeichen #PrayersforParis (Gebete für Paris), unter dem Kommentare zu dem Anschlag einlaufen.

Mutmachender Cartoon von Lucille Clerc
Mutmachender Cartoon von Lucille ClercFoto: Promo

Die panarabische Tageszeitung „Al-Sharq Al-Awsat“ verurteilte diejenigen Muslime, die die Anschläge rechtfertigen: „Wer die Mörder entschuldigt, gewährt ihnen Deckung und Legitimität, und das in einer Zeit, in der wir an der Spitze der scharfen Verurteiler und Kritiker stehen müssen. Diejenigen, die Terroristen und ihre Verbrechen verteidigen, müssen die Größe des Verbrechens kennen, das sie selbst begehen. Was sie seit Jahren machen, führte dazu, dass der Terrorismus in unserer Region heimisch wird, und zwar durch mediale Schirmherrschaft, politische Rechtfertigungen und finanzielle Hilfe.“

Zahlreiche Karikaturisten verbreiteten ihre Zeichnungen zum Anschlag über soziale Netzwerke. Außer politischen Cartoonisten, die regelmäßig für Massenmedien arbeiten – wie David Pope (Australien), Rob Tornoe (USA) und Ruben L. Oppenheimer (Niederlande), deren Bilder auf dieser Seite zu sehen sind – teilten auch viele Künstler Bilder. Die Zeichnung mit zerbrochenem, verdoppeltem Bleistift, das lange Graffiti-Star Banksy zugerechnet wurde (diese Seite oben mittig), stammt aber eigentlich aus der Feder von Lucille Clerc. Am Donnerstag publizierte auch der 87-jährige „Asterix“-Zeichner Albert Uderzo ein Bild, das sich ebenfalls auf das Attentat bezieht: Darauf verneigen sich Asterix und Obelix symbolisch vor den getöteten Journalisten. Beide haben ihre Helme abgenommen, Asterix hält eine Blume in der Hand. Idefix dreht der Welt traurig den Rücken zu.

Frankreichs 11. September: So sieht es Rubin L. Oppenheimer.
Frankreichs 11. September: So sieht es Rubin L. Oppenheimer.Foto: Twitter/Promo

Nicht alle Kommentare zum Pariser Attentat fielen so wohlüberlegt aus – deshalb hat CDU-Politikerin Erika Steinbach nun eine Anzeige bekommen. Der Hannoveraner Verleger Jens Bolm zeigte Steinbach bei der Berliner Polizei an, nachdem sie am Mittwoch eine Tagesspiegel-Meldung zum Anschlag mit dem Kommentar „Nur kath. Kirche kritisieren, sonst lebensgefährlich ;–)“ getwittert hatte. Anstatt wie viele andere Nutzer nur auf Twitter zu reagieren, zeigte Bolm die Politikerin wegen „Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener an“. Seine Begründung: „Ich fand das unangemessen und widerwärtig“. Auch weitere Twitter-Nutzer wie etwa „Jung & Naiv“-Reporter Tilo Jung kassierten harsche Kritik. Jung hatte kurz nach dem Anschlag per Tweet gefragt: „Was macht diesen Anschlag, diesen Überfall zu einem ,Terroranschlag’“? Anders als bei Steinbach blieb es bei Jung allerdings bei einem Shitstorm.

Cartoon von Rob Tornoe
Cartoon von Rob TornoeFoto: Promo

Nach dem Anschlag auf die satirische französische Zeitschrift „Charlie Hebdo“ hat die Tageszeitung „Jyllands-Posten“ aus der dänischen Stadt Aarhus bewusst darauf verzichtet, an ihre vor zehn Jahren publizierte Karikaturen-Strecke über den Propheten Mohammed anzuknüpfen. „Ich bekräftige mein Recht, als Chefredakteur jede Art von Zeichnungen bei Gelegenheit zu veröffentlichen – aber nicht jetzt“, erläuterte Chefredakteur Jörn Mikkelsen am Donnerstag in einer Kolumne seiner Zeitung. „Die Debatte wird nun seit zehn Jahren geführt – für oder gegen die Karikaturen – und wir müssen weiterkommen.“ Die „Jyllands-Posten“ steht unter ständiger Bedrohung, seit sie 2005 Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, die anschließend auch in „Charlie Hebdo“ publiziert wurden. Gegen die Veröffentlichung wurde in mehreren muslimisch geprägten Länder demonstriert, zum Teil gewalttätig. Die dänische Polizei vereitelte mehrfach Anschläge auf die „Jyllands-Posten“. Mikkelsen sagte, in der gegenwärtigen Situation halte er es für „absolut unverantwortlich“, neue oder alte Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen. Die „Jyllands-Posten“ trage Verantwortung für sich selbst und für ihre Angestellten.

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