Rebellion und Kalkulation : Frauen an der Macht

Sechs der größten Medienhäuser Deutschlands werden von Frauen geleitet. Yvonne Bauer ist eine von denen, die an der Spitze steht. In Hamburg erzählte sie nun davon, was die Kollegen in der ersten großen Montagskonferenz von ihr dachten und welche Rolle ihr Vater im Verlag noch spielt.

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Sie hat das Sagen. Verlegerin Yvonne Bauer und ihr Vater Heinz Bauer. Foto: dpa
Sie hat das Sagen. Verlegerin Yvonne Bauer und ihr Vater Heinz Bauer. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Friede Springer, Liz Mohn, Angelika Jahr, Yvonne Bauer. Das sind einige der Frauen, die heute an der Spitze deutscher Medienkonzerne und Verlage stehen. Ihre Zahl ist in jüngster Zeit stark gewachsen. „Sechs der größten Medienhäuser werden von Frauen geleitet“, sagte Andrea Ernst, WDR-Redakteurin und Vorsitzende des Journalistinnenbundes, als sie in der vergangenen Woche in Hamburg einen Diskussionsabend unter dem Titel „Die Macht der Konzern- und Verlagserbinnen“ eröffnete. Gemeinsam ist diesen Frauen, dass die Unternehmen durch entsprechende Nachfolgeregelungen oder Erbschaft in ihren Besitz übergegangen sind. Als Ehefrauen, Witwen oder Töchter gelangten sie in die Führungsposition, in der sie sich nun bewähren müssen.

Der prominenteste Gast auf dem Podium war die 36-jährige Yvonne Bauer, die seit Januar 2011 den Bauer-Konzern („Bravo“, „TV Movie“) als Verlegerin führt und damit in die Fußstapfen ihres Vaters Heinz Bauer getreten ist. Sie ist die zweitjüngste von vier Schwestern, die ebenfalls seit Jahren im Unternehmen tätig sind. „Nach meinem Studium habe ich mich erst ganz rebellisch für ein Volontariat bei einem Buchverlag entschieden“, sagte sie im Gespräch mit Moderatorin Eva Kohlrusch über ihre Zeit bei Hoffmann und Campe. Danach durchlief sie mehrere Stationen im väterlichen Unternehmen, zu dem rund 570 Zeitschriften, mehr als 300 digitale Produkte sowie 50 Radioformate gehören. Mittlerweile gehören ihr 85 Prozent der Kommanditanteile. Ihr Vater, 73, stehe ihr beratend zur Seite – aber die Geschäfte führe sie. „Manchmal diskutiert er noch erstaunlich lange weiter, obwohl meine Entscheidung eigentlich gefallen ist.“ Bisher teilen sich Vater und Tochter die Zuständigkeiten nach Weltgebieten auf: Sie kümmere sich vor allem um Deutschland, er um alles, was westlich davon liegt. Die östlichen Gebiete betreuen sie gemeinsam. Wann er sich ganz aus dem Unternehmen zurückziehe, sei letztlich seine Entscheidung, so Bauer.

Auf die Frage, welche Schwierigkeiten es in der Auseinandersetzung mit alteingesessenen Hierarchien gebe, meinte sie: „Der Name an sich hilft nicht so viel. Und in den ersten großen Montagskonferenzen dachte sicherlich so mancher: Mal sehen, was das junge Ding hier macht.“ Was den Anteil der Frauen in Führungspositionen beim Bauer-Verlag angeht, sieht es in den Redaktionen gut aus: Von den 35 Chefredakteuren sind 16 weiblich. Im kaufmännischen Bereich gebe es allerdings noch Nachholbedarf. Einige Absagen von Frauen auf Jobangebote im Haus hätten ihr zu denken gegeben.

Einen anderen Weg schlug die Tochter des Verlegers und Kunstmäzens Paul Dierichs ein. Sie entschloss sich in den 1960er Jahren, die Leitung der in Kassel erscheinenden „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine“ (HNA) ihrem Bruder zu überlassen und stattdessen in Frankfurt Journalistin und Filmemacherin zu werden, unter anderem für den Hessischen Rundfunk. „Das hätte sonst Mord und Totschlag gegeben“, sagte Dierichs. Die Zeitung, an der sie noch Mitgesellschafterin war, musste dann 2002 an die in München ansässige Ippen-Gruppe verkauft werden.

Einen interessanten Einblick in den ehemals anarchischen Wagenbach-Verlag gab Susanne Schüsseler, die seit 1991 dort arbeitet und 1996 den 30 Jahre älteren Klaus Wagenbach geheiratet hat. Sechs Jahre später übernahm sie den Verlag mit seinen 15 Mitarbeitern und schaffte es 2008 mit „Die souveräne Leserin“ von Alan Bennett erstmals, einen Bestseller zu landen. Vieles habe sich seit den APO-Zeiten verändert, sagte Schüsseler. Mittlerweile würden Bücher vor der Produktion kalkuliert. Und was die Quote angehe, würde sie in der Buchverlagsbranche eher für eine Männerquote plädieren. Simone Schellhammer

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