Medien : Rechte-Poker ’08

Olympische Sommerspiele und Fußball-EM im TV: ARD/ZDF wollen mehr Sport zeigen – und zahlen

Markus Ehrenberg

Über den Fahrplan bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking ist es zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und der European Broadcasting Union (EBU) zu einer Annäherung gekommen. Zwar bleibt es dabei, dass wichtige Entscheidungen im Schwimmen und Turnen in Europa zu nachtschlafener Zeit im Fernsehen laufen, da sie – offenbar auf Wunsch des US-Senders NBC – in Peking am Vormittag ausgetragen werden. Um die europäischen Sportfans nicht vollends zu verärgern, hat IOC-Präsident Jacques Rogge dem EBU-Vorsitzenden Fritz Pleitgen zugesichert, dass andere wichtige Entscheidungen in günstige Tageszeiten geschoben werden. „Das betrifft Rudern, Volleyball, Basketball und Handball“, bestätigte Pleitgen dem Tagesspiegel. Die Wettbewerbe wurden vom IOC in den Nachmittag (Ortszeit Peking) verlegt, rücken für europäische Zuschauer aus der Nacht in den frühen Vormittag.

Damit hat sich der Streit zwischen der weltweit wichtigsten Sportorganisation und den europäischen Fernsehanstalten etwas beruhigt. Als die Pläne für Peking 2008 vor Wochen bekannt wurden, war von schlechtem Stil die Rede. Die Interessen der überwiegenden Mehrheit der Weltbevölkerung sollten im Auge behalten werden, so Pleitgen damals. Die Schwimm- und Turnathleten dürften nicht erfreut sein, dass sie bei ihrem wichtigsten Wettkampf um neun Uhr morgens antreten müssen. Mittlerweile hat der EBU-Chef erkannt, dass an den Startzeiten beim Schwimmen und Turnen nicht zu rütteln ist. „Immerhin hat Rogge zugesagt, dass es bei den nächsten Olympischen Winter- und Sommerspielen keine Abweichungen von der traditionellen Planung geben wird, nur im Einvernehmen mit der EBU und all den anderen. Das ist wichtig für den Blick auf die Spiele 2012 in London, wo für uns günstigere Zeitverhältnisse herrschen.“

Auch das zweite große Sportereignis des kommenden Jahres wirft Schatten voraus: die Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz/Österreich und die Frage, wo das Turnier im Fernsehen zu sehen ist. Die von ARD und ZDF betriebene Sportrechteagentur Sporta soll nach Medienberichten dem Vermarkter, der Agentur Sportfive, ein Angebot über 115 Millionen Euro für 27 der 31 EM-Spiele gemacht haben. Bisher stand die Offerte von 90 Millionen Euro im Raum. Ein Ergebnis der Verhandlungen wird für Ende Mai erwartet.

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