Medien : Rechtsextremismus: Hilfe im Alltag

Kerstin Kohlenberg

"Den harten Kern erreichen wir doch sowieso nicht." Da ist sich Klaus Rost, Chefredakteur der "Märkischen Allgemeinen Zeitung", mit seinem Kollegen Stefan Herbst von der "Lausitzer Rundschau" einig: Die Macht der Medien sei beim Thema Rechtsradikalismus einfach sehr beschränkt.

Seit zehn Jahren ist das Problem einer rechten Bewegung im Osten Deutschlands bekannt. An einem selbstkritischen Bewusstsein über den Umgang mit dem Thema mangelt es aber noch vielen Medienmachern. Diesen Eindruck, den man am Anfang der Woche bei den Medientagen in Tutzing gewinnen konnte - dort ging es um die Berichterstattung im Fernsehen -, setzte sich nahtlos am Freitag in der Evangelischen Medienakademie in Berlin fort. Hier ging es um Zeitungen gehen, vor allem um ostdeutsche.

"Natürlich können Zeitungen oder das Fernsehen Neonazis nicht bekehren. Es muss den Medien um etwas ganz anderes gehen", sagte Holger Zschoge, Lehrer aus Angermünde, der sich seit langem gegen Rechts engagiert. Nämlich darum, ein Klima zu schaffen, das Menschen, die sich gegen Rechts engagieren, unterstützt, und sich gegen eine Verschiebung der politischen Koordinaten nach rechts wehrt. Denn sie bestimmten den Alltag der Menschen, ganz besonders bei den Jugendlichen. Da jedoch das Klima im Osten zur Zeit noch durch das Vermeidenwollen von Unruhe und Angst vor Angriffen geprägt ist, kommt es bei den Menschen weder zu einer Benennung noch zu einer Auseinandersetzung mit dem Problem. Von dieser Angst seien auch Lokalredakteure betroffen, gab Oliver Kittel von der "Sächsischen Zeitung" zu.

Die Zeitungen müssten die Wahrnehmung und den Alltag der Menschen stärker analysieren, forderte Zschoge. Im Osten werde werde zum Beispiel viel eher über Gewalt im Allgemeinen gesprochen, als über Rassismus. "Gewalt gegen Ausländer wird mit der gegen Kinder oder die Ehefrau zusammengeworfen, das Problem auf diese Weise verdeckt", sagte Zschoge. Genau hier müssten die Zeitungen ansetzen, Ereignisberichterstattung sei zu wenig.

Dann würde es vielleicht auch nicht mehr passieren, dass eine Regionalzeitung die Fußballergebnisse ihrer Vereine noch so abdruckt: 1. Projekt 88 (88 steht für Heil Hitler, Anm. d. Red.) 2. Ultras. 3. Nationale.

Die Zeitungen haben sich zu viel mit den Tätern beschäftigt, glaubt Zschoge und folgert daraus: Jetzt müssten sie vor allem diejenigen unterstützen, die sich für die demokratischen Werte einer Zivilgesellschaft einsetzen, denn die seien mittlerweile in der Minderheit.

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