Medien : Rechtsradikale Spam-Attacke

Warum das Virus Sober Q nicht zu stoppen ist

Birte Hedden

Mails mit rechtsextremen Inhalten verstopfen seit Pfingsten die virtuellen Briefkästen vieler Internet-Nutzer. Sober Q heißt das Virus, das die Spam-Attacke ausgelöst hat. Mit Betreffzeilen wie „Ausländer bevorzugt“, „Dresden 1945“, „60 Jahre Befreiung: Wer feiert mit?“ machen unbekannte Urheber Stimmung gegen Ausländer. Unter der – grammatikalisch falschen – Aufforderung „Lese selbst“ enthalten die Mails Links unter anderem auf das Internet-Angebot der rechtsextremen NPD. In anderen Spams wird auf die Seiten von Spiegel Online, Heise Online, der „taz“ und dem ZDF verwiesen.

Wer der Urheber der Mails ist, lässt sich nicht ermitteln. Spam-Attacken lassen sich wegen des großen Mailaufkommens generell nicht zurückverfolgen. Auch das Ausmaß der aktuellen Spam- Attacke ist nicht abschätzbar. Allein in der Mailbox des Tagesspiegels landen seit Pfingsten täglich 2 000 bis 3 000 Mails, die auf Sober Q zurückgehen.

Die Hersteller von Anti-Viren-Programmen sind sich sicher, dass es sich bei Sober Q um eine aktualisierte Variante des WM-Virus handelt, der Anfang Mai durch seine Spam-Attacke für Engpässe im Netz sorgte. Den Empfängern wurde die Bestätigung der WM-Tickets für 2006 vorgegaukelt. Wurde der Anhang geöffnet, aktivierte sich das Virus und durchforstete automatisch die Festplatte nach dem Adressbuch. So funktionieren alle Viren, die Spam-Mails verschicken. Anschließend sendet das Virus an alle gespeicherten Adressen Mails mit dem vom Virus-Urheber angegebenen Inhalt – bei Sober Q, die rechtsradikalen Texte.

Das WM-Virus ist so programmiert, dass er sich am Pfingstsonntag um null Uhr auf den bereits infizierten Rechnern automatisch aktivierte und sobald der Besitzer online war, die neuen Inhalte verschickte. Die Virenexperten gehen davon aus, dass sich Sober Q ein weiteres Mal aktualisieren wird, voraussichtlich am 27. Mai. Welche Inhalte er dann verschickt, ist nicht abzusehen.

Dem eigenen Rechner schadet Sober Q nicht. Die Besitzer infizierter Rechner – ausschließlich mit Windows-Betriebssystemen – merken oft gar nicht, dass sie Spam-Mails versenden. Selbst wenn sie ein Anti-Viren-Programm installiert haben, kann es von Sober Q unbrauchbar gemacht werden. Nur die aktuellsten Virenscanner können die virentypische Signatur von Sober Q erkennen. Thomas Schüle, technischer Berater von H+BEDV, dem Hersteller des Programms AntiVir, empfiehlt, sich immer die aktuellste Version zu besorgen. Ist man sich unsicher, ob man ein Virus hat oder wenn man eine Warnmeldung bekommt, sollte man sofort die Verbindung zum Internet unterbrechen, den Rechner ausmachen und bei gedrückter F8-Taste im abgesicherten Modus wieder hochfahren. „Das Virus ist dann noch nicht aktiv“, sagt Schüle. Anschließend kann man das Anti-Virenprogramm ganz normal nutzen, das Virus wird beseitigt.

Während die technischen Schäden – verstopfte Datenleitungen – eher gering bleiben, sind die negativen Folgen für das Ansehen des vermeintlichen Absenders bei Sober Q nicht abschätzbar. „Spiegel“ und Heise distanzieren sich in Mitteilungen ausdrücklich von den Inhalten der Mails.

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