Rechtsstreit mit Regierung : Funke stellt Afghanistan-Papiere offline.

Wegen eines Rechtsstreits mit der Bundesregierung hat die Funke-Mediengruppe Dokumente zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan aus dem Netz genommen.

Die Funke Mediengruppe entfernt Dokumente aus dem Netz
Die Funke Mediengruppe entfernt Dokumente aus dem NetzFoto: dpa

Nach Androhung einer Zwangsvollstreckung seien die Dokumente zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan, die seit 2012 online waren, nun offline gestellt worden, teilte die Funke Mediengruppe am Mittwoch in Essen mit. Hintergrund ist ein Rechtsstreit um die Veröffentlichung der rund 5000 Seiten umfassenden internen staatlichen Dokumente, die als Verschlusssache „VS - nur für den Dienstgebrauch“ gestempelt und dem Rechercheteam des Medienhauses zugespielt worden waren. Das Bundesverteidigungsministerium klagt seit 2013 gegen die Veröffentlichung mit der Begründung, Funke verstoße damit gegen das Urheberrecht. Die dagegen in diesem Jahr eingelegte Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof halte die Redaktion aufrecht, betonte Thomas Kloß, Chefredakteur Online von Funke in Nordrhein-Westfalen. Die Klärung könne sich allerdings noch ein bis zwei Jahre hinziehen. Bis dahin sollen die Afghanistan-Papiere - zumindest auf den Seiten der Funke-Medien - offline bleiben.

Wöchentliche Berichte mit Hilfe der Afghanistan-Papiere

„Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Veröffentlichung der Papiere rechtens war und ist“, sagte Kloß: „Die Bürger haben ein Recht darauf zu wissen, was die Bundeswehr in ihrem Namen unternimmt.“ Mithilfe der Papiere aus den Jahren 2005 bis 2012 hatte das Ministerium die Abgeordneten im Verteidigungsausschuss des Bundestages wöchentlich über den Afghanistaneinsatz informiert. Die Öffentlichkeit war dabei ausgeschlossen. Durch die Veröffentlichung der Dokumente sei zum ersten Mal in der Öffentlichkeit deutlich geworden, dass das Risiko für die deutschen Soldaten in Afghanistan immer höher gewesen sei als offiziell eingestanden,
begründete Funke die Veröffentlichung. Die Papiere verwiesen unter anderem auf zunehmende und immer heftigere Angriffe auf Bundeswehrsoldaten.

Zur Funke-Mediengruppe gehören unter anderem die Tageszeitungen „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Hamburger Abendblatt“ und „Berliner Morgenpost“.

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