Rede beim BDZV : Gauck: Glaubwürdige Zeitungen haben Zukunft

Der Bundespräsident warnt Verleger vor personeller Auszehrung der Redaktionen.

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„Die Zeitung hat eine Zukunft.“ Bundespräsident Joachim Gauck betonte in einer Rede vor 300 Verlegern in Dresden die Bedeutung der Presse für die Demokratie. „Qualitätsjournalismus ist nicht an eine bestimmte Form gebunden – etwa das Papier –, sondern an Inhalte und an eine Methode, die journalistische Methode. Denn vieles verändert sich um uns herum, eines jedoch bleibt: das Bedürfnis nach Information“, sagte Gauck auf dem Kongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). „Glaubwürdigkeit ist für mich dabei ein Schlüsselbegriff, weil sie unseren Blick von den vielen Veränderungen auf das Wesentliche lenkt“. Zeitungen hätten sich, so Gauck, ihre Glaubwürdigkeit über Jahrzehnte, manchmal sogar über Jahrhunderte erarbeitet. „Wer glaubwürdig ist, der wird Anhänger und Mitstreiter auf seinem Weg finden. „Präzise Informationen und Argumente werden immer ihr Publikum finden.“

Gauck appellierte in seiner Rede an die Verleger aber auch daran, angesichts der derzeitigen Herausforderungen mit Sinn und Verstand zu sparen. „Google kann weder Geist noch Gespür eines Reporters vor Ort ersetzen. Ich hoffe, dass mit dieser Einsicht ein Gegentrend greifen kann. Denn wo zu kräftig gespart wird, stellt sich oft heraus: Personelle Auszehrung schlägt früher oder später auf die Qualität durch. Und die Leser merken das“, sagte der Bundespräsident in Dresden. Langfristig sei eine solide Personalausstattung in den Redaktionen inhaltlich wie ökonomisch sinnvoll. „Gute Journalisten fühlen sich nicht allein dem Eigentümer ihres Mediums verpflichtet, sondern auch dem Gemeinwohl.“

BDZV-Präsident Helmut Heinen hatte zum Auftakt des Kongresses, der am Montag begonnen hatte, betont: „Wir brauchen keine Überweisungen aus der Staatskasse.“ Auch staatlich aufgelegte Stiftungsmodelle bewertete er kritisch. „Sie dürfen die Freiheit und Unabhängigkeit der Presse nicht gefährden.“ Faire politische Rahmenbedingungen wie das Leistungsschutzrecht, der reduzierte Mehrwertsteuersatz für Zeitungen, der Verzicht auf übertriebene Werberegulierungen seien dagegen unverzichtbar und auch künftig vom Gesetzgeber abzusichern. sag/dpa

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