Medien : Reförmchen für den RBB Dagmar Reim muss sich gegen Kritik an

der neuen Programmstruktur wehren.

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Foto: rbb/Kristina Jentzsch
Foto: rbb/Kristina Jentzsch

Noch will sich Dagmar Reim nicht dazu äußern, ob sie erneut antritt. Ende April 2013 läuft ihre Amtszeit als Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) aus. Zehn Jahre lang hat sie dann den Sender geführt, eine Wiederwahl der 60-Jährigen wäre möglich. Bei seiner turnusmäßigen Sitzung am Donnerstag beschloss der Rundfunkrat in Potsdam nach einer recht turbulenten, langen Diskussion zunächst lediglich das Prozedere der anstehenden Intendanten-Wahl.

Eine Findungskommission mit sieben Mitgliedern soll Bewerber für den Chefposten sichten und einen Wahlvorschlag machen. Die Stelle werde in mehreren, auch überregionalen Zeitungen, sowie im Internet über eine Frist von vier Wochen ausgeschrieben. Ursprünglich war eine zweiwöchige Frist vorgesehen. Zu kurz, befand die Mehrheit des öffentlich-rechtlichen Kontrollorgans des Zweiländersenders.

Die Vorzeichen für die Diskussion zum Wahlverfahren sowie zu einer klaren Aussage in Sachen erneuter Kandidatur von Dagmar Reim waren nicht gerade günstig. Der RBB ist im bundesweiten Quotenvergleich mit 6,1 Prozent Marktanteil (2010: 6,8 Prozent) in der Region Schlusslicht und soll umstrukturiert werden. In den letzten Tagen standen der Sender und seine Intendantin deshalb in der Kritik. Reim verteidigte am Donnerstag die neue Programmstruktur in der Rundfunkratssitzung noch einmal. Wenn zwei von 26 selbst produzierten Sendungen gestrichen würden, sei dies keine Reform, sondern lediglich ein „Reförmchen“, sagte Reim und betonte: „Wer sich nicht verändert, bleibt nicht nur stehen, sondern fällt zurück.“

Angesichts gesunkener Zuschauerzahlen sollen ab 13. August 2012 das Polit-Talk-Format „Klipp & Klar“ und die Servicesendung „Die Jury hilft“ gestrichen werden. Stattdessen will der RBB mehr Reportagen und Dokumentationen senden.

Programmdirektorin Claudia Nothelle fasste die Zielvorgabe des RBB nach einer „Positionierungsstudie Fernsehen“ aus dem Jahr 2011 zusammen: mehr Klarheit für die Zuschauer, neue Impulse für die Regionalität, mehr Raum für Innovationen, mehr Akzeptanz – was nicht unbedingt mehr Quoten heißen müsse, fügte Reim hinzu. Das Ganze soll von einem neuen Erscheinungsbild und einer Marketing-Kampagne flankiert werden. Chefredakteur Christoph Singelnstein hielt fest: „Wir senden nicht nur für das hippe Berlin.“

Kritik gab es in der Runde am Donnerstag vor allem an der Tatsache, dass von der RBB-Spitze ein externer Berater, der Österreicher Matthias Setteler, hinzugezogen worden war, der unter anderem auch schon für RTL gearbeitet hat. „Eigentlich schade, dass sich der RBB von außen beraten lassen muss“, sagte Matthias Schirmer vom Personalrat. Davon hätten die Sender-Mitarbeiter gerne mehr gewusst. Wenn denn der RBB die Meinungsführerschaft in der Region erlangen wolle, müsse auch gefragt werden, ob diese Reform ausreiche. Die Einschränkungen beim Wirtschafts- und Verbrauchermagazin „was“ bedeuteten überdies erhebliche Einschnitte, unter anderem für die freien Mitarbeiter. „Es wäre besser gewesen, das Programmschema und den Änderungsbedarf vorher intern breiter zu diskutieren“, fügte Christian Golny (CDU) hinzu.

Viel Gegenwind also für die Intendantin, die aber das Wort „Krise“ nicht im Raum stehen lassen wollte: „6,1 oder 6,2 Prozent, der RBB sollte sich nicht allein an der Quote messen. Ziel ist es, Qualität und Quote zu verbinden“, sagte Reim. Um dieses Ziel zu erreichen, sei auch mal ein externer Berater notwendig. Man habe aber mit mehr als 100 Leuten im Haus diskutiert.

Es bleibt also offen, wohin die Reise beim RBB geht – und auch bei Dagmar Reim, die als Gründungsintendantin des RBB die erste Frau an der Spitze einer ARD-Anstalt war. Inzwischen sind noch Monika Piel (WDR) und Karola Wille (MDR) hinzugekommen.

Bei der nächsten Rundfunkratssitzung soll sich eine Kommission konstituieren, um dann geeignete (Gegen-)Kandidaten für die RBB-Intendanz ab 2013 zu finden. Markus Ehrenberg

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