Medien : Reine Formsache

Blaue Deko, schnelle Umfragen – ARD und ZDF präsentieren ihr Konzept vom Duell

Von Barbara Nolte

Da sitzen sie nebeneinander, Sabine Christiansen und Maybrit Illner, ähnlich wie sie auch am 8. September dasitzen werden: an einem Tisch, der auf einem Podest steht. Nur, dass sich Sabine Christiansen gestern im Berliner Museum für Kommunikation mit einem gefalteten weißen Blatt Papier Luft zufächelt, was sie garantiert nicht machen wird, wenn ihr gegenüber Edmund Stoiber und Gerhard Schröder an ihren Pulten stehen und um Formulierungen ringen. Die Wand hinter Christiansen ist ebenfalls ein Vorgriff auf die Duell-Kulisse: Sie ist hellblau, ein Bundesadler ist drauf.

Hundert Journalisten sitzen am gestrigen Mittwoch zu ihren Füßen.

Sie stellen Fragen, die man als oberflächlich abtun könnte. Zum Beispiel: „Stimmen Sie sich mit ihrer Garderobe ab, Frau Illner und Frau Christiansen?“ Doch genau um solche Fragen dreht sich die Pressekonferenz, darum drehten sich auch die vergangenen Wochen der beiden Moderatorinnen. Kleinste Äußerlichkeiten bei der Duell-Dekoration – man male sich ein Stehpult aus, das Schröder bis zu den Schultern reicht – könnten Einluss auf den Wahlausgang haben. Es wurde also lange verhandelt. Ein paar Ergebnisse: Die Duelle finden in Berlin Adlershof statt; das erste am 25. August, es wird beo RTL und Sat 1 ausgestrahlt; das zweite läuft am 8. September in ARD und ZDF. Im Studio sind keine Zuschauer. Etwa 300 Journalisten verfolgen die Sendungen auf einer Leinwand im Nachbarstudio. Ihre Länge ist auch klar: 75 Minuten. Und ihr Rhythmus: Der erste Kandidat darf 90 Sekunden antworten, der zweite ebenfalls, dann dürfen die Moderatorinnen pro Thema viermal nachhaken. Thema kann alles sein; die Kandidaten haben keinerlei Kenntnis von konkreten Fragen. Gemeinsam mit Kollegin Illner, sagt Christiansen, werde sie sich diese erst noch überlegen – „nach der aktuellen Nachrichtenlage im September“.

ARD und ZDF bieten auch ein Rahmenprogramm zum Duell: Hauptstadtstudio-Chef Thomas Roth empfängt im Christiansen-Studio eine Runde, zu der auch, aus Adlershof herbeieilend, Sabine Christiansen selbst kommen soll. Im ZDF diskutieren Bodo Hauser und Ulrich Kienzle. Beide Sender wollen eine halbe beziehungsweise eine Stunde nach Duell-Ende erste Meinungsumfragen präsentieren: Welcher der beiden Kandidaten habe sich glaubwürdigerpräsentiert?

ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann, der auch zur Pressekonferenz gekommen ist, hofft auf ein großes Publikumsinteresse: „Wenn die addierten Zuschauerzahlen beider Sender unter zehn Millionen bleiben, wäre das für mich ein Misserfolg.“

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