"Reporter ohne Grenzen": Jahresbilanz 2015 : Weltweit 54 Journalisten entführt

Am meisten Journalisten wurden 2015 in den arabischen Bürgerkriegsländern entführt. Weltweit sitzen 153 Journalisten im Gefängnis

Erst im November wurde die Chefredaktion der türkischen Tagezeitung "Cumhuriyet" verhaftet.
Erst im November wurde die Chefredaktion der türkischen Tagezeitung "Cumhuriyet" verhaftet.Foto: dpa

Die Arbeitsbedingungen für Journalisten werden in vielen Teilen der Welt immer gefährlicher. Nach Angaben der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) sind derzeit weltweit 54 Journalisten entführt, ein Drittel mehr als Ende 2014, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten ersten Teil der „Jahresbilanz der Pressefreiheit“. Die Entführungen konzentrierten sich auf die arabischen Bürgerkriegsländer Syrien, Jemen, Irak und Libyen, wo bewaffnete nichtstaatliche Gruppen auf diese Weise ihren Herrschaftsanspruch durchsetzen und kritische Stimmen zum Schweigen bringen wollen. Acht Journalisten seien zudem im Laufe dieses Jahres verschwunden. Über ihr Schicksal gebe es keine verlässlichen Informationen. „Die erschreckend hohe Zahl von Entführungen zeigt, dass bewaffnete Gruppen gerade in den arabischen Krisenstaaten vor nichts zurückschrecken, um Kritik und unabhängige Informationen zu unterdrücken“, sagte der Vorstandssprecher von „Reporter ohne Grenzen“, Michael Rediske. Bezeichnend seien auch die Zahlen der Journalisten, die wegen ihrer Arbeit in Haft sind. Von den 153 hauptberuflichen Journalisten weltweit säßen die Hälfte in den Gefängnissen Chinas, Ägyptens, des Iran und Eritreas. Das spreche Bände über den verheerenden Zustand der Pressefreiheit in diesen Ländern, sagte Rediske.

Aber auch in der Türkei nähmen die staatlichen Repressionen zu. Elf Prozent aller Verhaftungen weltweit fanden in diesem Jahr in der Türkei statt. Zusätzlich zu den hauptberuflichen Journalisten seien weltweit 161 Bürgerjournalisten und 14 Medienmitarbeiter inhaftiert.

IS entführt am meisten Journalisten


Die größte Zahl der aktuellen Entführungen geht nach Angaben von ROG mit 18 Fällen auf das Konto des IS, gefolgt von den Huthi-Rebellen im Jemen (neun Fälle) und der Al-Nusra-Front in Syrien (vier Fälle). 95 Prozent der derzeit Entführten seien Journalisten aus den jeweiligen Ländern, nur fünf Prozent seien ausländische Reporter.
Im Verlauf des gesamten Jahres 2015 wurden weltweit 79 hauptberufliche Journalisten entführt, 34 Prozent weniger als im Vorjahr. Ein wichtiger Grund für diesen Rückgang sei die veränderte Lage im Osten der Ukraine. Dort wurden 2014 die weltweit meisten Journalisten entführt, 2015 aber kein einziger. Die meisten verschwundenen Journalisten gab es mit fünf von acht Fällen weltweit in Libyen. Die Ungewissheit über ihr Schicksal habe eine erhebliche abschreckende Wirkung auf andere Journalisten, heißt es in dem Bericht. Die Zahlen getöteter Journalisten sowie die gefährlichsten Regionen für Reporter veröffentlicht ROG am 28. Dezember. epd/Tsp

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