Republica und Media Convention Berlin : Zukunftswerkstatt öffnet am 8. Mai die Tore

Auf der Republica und der Media Convention Berlin 2017 werden über 900 Redner erwartet. Mit dem Motto "Love Out Loud" soll all dem, was in der Welt passiert, etwas Positives entgegengesetzt werden.

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Für Republica und Media Convention gerüstet.
Für Republica und Media Convention gerüstet.Foto: Britta Pedersen/dpa

Das Wachstum ist auch im Neuland begrenzt. Für die Republica und die Media Convention Berlin 2017, die vom 8. bis zum 10. Mai in Berlin stattfinden, rechnen die Macher nur mit einem ganz leichten Besucherzuwachs. Andreas Gebhard, Geschäftsführer und Gründer der Republica, ist nicht besonders traurig darüber, wenn in diesem Jahr erneut 8000 Besucher gezählt werden. Auch am Veranstaltungsort Station am Gleisdreieck, wo die 2007 gegründete Konferenzveranstaltung zum fünften Mal stattfindet, war es zuletzt recht beengt zugegangen. Wachstum wird es überdies trotzdem geben: Mit über 900 Sprechern bei rund 400 Vorträgen und Diskussionen auf 19 Bühnen erreicht die Republica in diesen Kategorien eine neue Rekordgröße und wird so nach Gebhards Worten zum „Zeitgeistdokument der digitalen Gesellschaft“. Und auch die zum vierten Mal parallel dazu stattfindende Media Convention, in der sich die Bewegtbildbranche zum Meinungs- und Gedankenaustausch trifft, hat das Programm ausgebaut.

Die Republica steht 2017 unter dem Motto „Love Out Loud“, einer Abwandlung des bekannten „Laughing Out Loud“. „Wir wollen damit all dem, was derzeit in der Welt passiert, etwas Positives entgegensetzen“, sagt Netzaktivist und Republica-Gründer Johnny Haeusler. Die Hippiezeit sei zwar tatsächlich vorbei, das zeige nicht zuletzt der große Realismus im Programm der Republica. Aber das Gemeinschaftsgefühl, das die erste Republica mit ihren damals 600 bis 700 Besuchern verbunden hat, wolle man dennoch fortführen.

Pressefreiheit, Fakes News, Algorithmen

An ernsthaften Themen mangelt es tatsächlich nicht. Mit der Eröffnungs-Keynote der Republica 17 wird auf die in vielen Ländern bedrohte Pressefreiheit aufmerksam gemacht. Sprecher aus der Türkei, Ungarn, Ägypten und Polen werden über die Situation in ihren Ländern berichten. Für Republica-Mitgründer Markus Beckedahl ist das eine Form von Solidarität mit den Menschen dort. Auch Fake News beschäftigen die Veranstaltung. Die Hysterie sei zwar bereits wieder ein Stück weit abgeklungen, die Republica soll gleichwohl dafür genutzt werden, um Gegenstrategien zu entwickeln – auch durch die Auseinandersetzung mit den Algorithmen in den sozialen Netzwerken, die man nicht als gottgegeben ansehen sollte, so Beckedahl.

Ein bedeutendes Thema der Media Convention Berlin ist die Medienvielfalt, die durch verschiedene Entwicklungen bedroht wird. Anja Zimmer, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, erinnert an internationale Medienkonzerne, die verstärkt Einfluss nehmen und bislang kaum kontrolliert werden. Zudem werde die finanzielle Situation für den Journalismus immer schwieriger, insbesondere im lokalen Bereich. Zugleich gebe es immer mehr Äußerungen – Stichwort Hate Speech –, die einem den Spaß am Medienkonsum vermiesen.

Bei allen netz- und medienpolitischen Fragen werden die Besucher von Republica und Media Convention aber auch in diesem Jahr wieder einen Blick in die Zukunft werfen können. Das Themenspektrum dazu reicht von Künstlicher Intelligenz über Virtuelle Welten bis zu Erweiterter Realität. Bei der Republica kommt ein Science-Fiction-Track hinzu, in dem es um die Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Technik mit Kultur und Gesellschaft geht. Auf der Media Convention stehen praktische Beispiele im Vordergrund. Oscar-Gewinner John Gaeta („Matrix“) erzählt von seinen VR-Erfahrungen für die „Star Wars“-Welt, in einer anderen Session wird darüber diskutiert, wie mit Werkzeugen wie Snapchat journalistische Projekte für mobile Endgeräte aufbereitet werden.

Und auch die Politik nutzt im Wahljahr die Station-Bühnen. Berlins Regierender Michael Müller eröffnet die Veranstaltungen, zu Besuch erwartet werden ferner Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles. Kurt Sagatz

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