Retro-Fernsehen : Eine verhängnisvolle Affäre

Die Simmel-Neuverfilmung „Liebe ist nur ein Wort“ im ZDF

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Schmachtende Blicke: Oliver (Vinzenz Kiefer) und Verena (Nadeshda Brennicke) steuern unaufhaltsam aufeinander zu. Foto: ZDF

Liebe ist nur ein Wort – das kann nur jemand behaupten, der entweder noch nie geliebt hat oder aber in der Liebe sehr enttäuscht wurde. Johannes Mario Simmel, der von der Kritik verschmähte deutsche Bestsellerautor ließ im gleichnamigen Roman drei Menschen mit einem über alle Maßen angespannten Verhältnis zur Liebe aufeinanderprallen. 1971 hatte Alfred Vohrer diese zum Scheitern verurteilte Liebe zwischen Oliver Mansfeld, dem ungeliebten Sohn eines korrupten Großindustriellen, und Verena Angenfort, der zehn Jahre älteren, aber nichtsdestoweniger begehrenswerten Frau eines Bankiers, mit Malte Thorsten, Judy Winter und Herbert Fleischmann verfilmt. Fast 40 Jahre später wurde der Stoff nun von Drehbuchautor Christoph Silber für das ZDF von allen irrelevanten Zeitbezügen befreit und in der Regie von Carlo Rola in Berlin, Salzburg und an der kroatischen Adria stilvoll neu in Szene gesetzt. Geblieben ist der erotische Grundton des Filmes.

Produzent Oliver Berben hat sich die Rechte an allen Simmel-Romanen gesichert. Die beiden ersten Neuverfilmungen „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ sowie „Gott schützt die Liebenden“, die Ende 2008 im ZDF liefen, hatte Simmel noch begleitet. Die Dreharbeiten zu „Liebe ist nur ein Wort“ begannen erst nach seinem Tod am 1. Januar 2009.

Der Film hält sich nicht mit langen Vorreden auf. Im Privatflugzeug sitzen sich Oliver (Vinzenz Kiefer) und sein Vater Walter Mansfeld (Jürgen Schornagel) gegenüber. „Am Tag, als du geboren wurdest, ist deine Mutter gestorben. Dafür habe ich dich gehasst“, erzählt der Vater seinem Sohn. Doch das weiß dieser längst. „Ja, ich verstehe dich. Du bist ein armer Hund“, erwidert er. Zwischen diesen beiden ist Liebe nicht einmal ein Wort.

Was Liebe ist, hat Verena Lord (Nadeshda Brennicke), die Oliver zufällig am Salzburger Flughafen kennenlernt und in seinem Auto mitnimmt, lange vergessen, bis sich aus der Zufallsbekanntschaft der Femme fatale mit dem gut aussehenden Studenten eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung entwickelt, die bei einer gemeinsamen Bootstour mit Verenas Ehemann (Miroslav Nemec) auf die Katastrophe zusteuert.

Die Neufassung von „Liebe ist nur ein Wort“ ist in der Gegenwart angesiedelt. Der Stil ist retro, die Sonnenbrille, ein alter Ford Mustang neben einem VW Beetle und einem Fiat Cinquecento. Das passt zum Roman, auch wenn sich die Vorzeichen gewandelt haben. In den 70ern konnte Simmel noch gegen gesellschaftliche Konventionen anschreiben. Heute scheitern die Akteure an ihrem Egoismus und zwischenmenschlicher Kälte. Obwohl alle doch nur nach Liebe gieren. Die Bankiersfrau, die sich alle Wünsche erfüllen kann. Der missratene Sohn, der mit flüchtigen Frauengeschichten seinen Vater bestrafen will. Der Vater, der seinen Buchhalter mit der Erziehung des Sohnes beauftragt hat. Der Bankier, dem am Ende weder Geld noch Lebenserfahrung weiterhelfen. Doch bei aller Abscheu bleibt am Ende nur Mitleid.Kurt Sagatz

„Liebe ist nur ein Wort“, 20 Uhr 15, ZDF

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