Medien : Revier-Kämpfe

„Rückspiel“: Was passiert, wenn Leipziger und Kölner „Tatort“-Kommissare gemeinsam ermitteln

Alva Gehrmann

Es war zehn Jahre nach der deutschen Einheit, anlässlich des 30-jährigen Bestehens des „Tatorts“, dass in den ARD-Fernsehkommissariaten erstmals auch Kollegen aus dem Osten und Westen miteinander ermittelten. Das Kölner Ermittler-Duo musste damals auf Dienstreise nach Leipzig. Jetzt gibt es den Gegenbesuch („Rückspiel“, 20 Uhr 15 im Ersten).

Eine Verfolgungsjagd bringt Kommissar Kain (Bernd Michael Lade) und seinen Kollegen Ehrlicher (Peter Sodann) nach Köln. Nach anfänglicher Wiedersehensfreude sind die Kölner aber schnell von der Kollegenhilfe genervt. Schließlich ermitteln die Leipziger nun in ihrem Revier.

Es geht um zwei Morde, einer in Leipzig, einer in Köln, die miteinander zu tun haben. In einem Fall handelt es sich vermutlich um ein Eifersuchtsdrama, beim anderen um Versicherungsbetrug: Kunstraub. Das war’s dann auch mit der eigentlichen Geschichte. Katrin Saß als Kulturmanagerin ist vielleicht noch zu erwähnen, aber ansonsten setzt der Film ganz auf die Reibereien zwischen den Kommissaren. „Wenn statt zwei plötzlich vier Kommissare gemeinsam ermitteln, ergeben sich daraus ganz neue Spannungsverhältnisse“, sagt Kaspar Heidelbach. Er hat bei beiden Kooperationen zwischen dem MDR und WDR Regie geführt. Dieses Spannungsverhältnis ist so amüsant, dass der Film trotz der mäßigen Kriminalgeschichte sehenswert ist.

Die Leipziger, Kain und Ehrlicher, sowie die Kölner, Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt), geben ein liebenswert widerspenstiges Quartett ab. Wie bereits beim ersten Aufeinandertreffen setzt auch der aktuelle „Tatort“ auf die Rivalitäten zwischen Ost und West. Jedoch geht es dieses Mal schon etwas harmonischer zu.

Die Figur des Bruno Ehrlicher, gespielt vom Sachsen Peter Sodann, wurde 1992 von Hans-Werner Honert entwickelt. Der Regisseur und „Tatort“-Autor („Quartett in Leipzig“), wollte damals bewusst einen Kommissar entwickeln, „der so ostig ist, dass er die Befindlichkeiten des Osten zeigt und das dem Westen vermittelt“. Das gilt auch heute noch. Honert findet es wichtig, dass die Rivalitäten im Film weiter bestehen – sie seien eines der Erfolgsgeheimnisse vom „Tatort“. Außerdem regen das Spielen mit Klischees und die Provokationen „zum Lachen, aber auch zum Nachdenken an“. Zum Lachen gibt es im „Rückspiel“ auch einiges. Etwa, wenn ständig Ehrlichers Handy klingelt – die Melodie: James Bond. Oder wenn die Kölner mit den Leipzigern in eine rheinische Kneipe gehen und „kölschen Kaviar“ bestellen.

Die Details sind es, die diesen „Tatort“ so amüsant machen. An einigen Stellen knüpft die „Tatort“-Folge an den Jubiläums-„Tatort“ an. Etwa beim Wimpel vom Leipziger Polizeipräsidium, den die Kölner Kommissare damals von den Ost-Kollegen geschenkt bekommen hatten, und der heute in der hintersten Ecke von Ballaufs Büro steht. Doch Ehrlicher findet den Wimpel und stellt ihn wie selbstverständlich auf den Schreibtisch seines Kölner Kollegen. Doch nicht alles, was aus dem Osten kommt, wird bei den Kölner Kommissaren in die hinterste Ecke gestellt. Um einen Verdächtigen unauffällig beschatten zu können, besorgt sich Kommissar Schenk aus der Asservatenkammer einen speziellen Dienstwagen: einen Trabbi. Eigentlich will er damit den Ossi Ehrlicher ärgern, doch der freut sich, endlich mal wieder in einem Trabbi zu fahren.

Der Schauspieler Dietmar Bär hat sich mit dem ungewöhnlichen Dienstwagen selbst eine Freude gemacht. „Für mich als Autofreak war die Fahrt mit Peter Sodann im Trabbi ein besonderes Erlebnis. Als echter Trabbi-Kenner hat er mir die DDR-Zeit ein ganzes Stück näher gebracht.“ So wird auch im wahren Leben aus dem Besuch der Leipziger ein Akt der Völkerverständigung.

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