Medien : Rheinisch-texanischer Dialog

Beim Medienforum NRW war Richard Perle zu Gast

Thomas Gehringer

Er komme ja viel herum, erklärte Jürgen Chrobog beim Medienforum NRW in Köln, und da habe er festgestellt: „Das Image der Amerikaner ist weltweit verheerend.“ Das „weltweit“ beginnt allerdings schon vor der Haustür des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt; denn auf Deutschland trifft seine Einschätzung unbedingt zu. George W. Bush gibt hier als wild gewordener Cowboy einen prächtigen „Spiegel“-Titel ab.

Ein prominenter Kritiker des Bildes, das die deutschen Medien von den USA zeichnen, saß in Köln mit auf dem Podium: Richard Perle, der konservative Wortführer in den USA und ehemalige Berater des Pentagons. In Europa beachteten die Journalisten nicht ausreichend, wie der Irak unter Saddam Hussein gelitten habe, sagte er. Dass Massengräber mit Hunderttausenden von Toten gefunden worden seien, der „moralische Aspekt“ für das militärische Eingreifen im Irak, spiele in der Berichterstattung kaum eine Rolle. Bush-Kritiker wie Jack Matlock, Princeton-Professor und ehemaliger Botschafter in Prag und Moskau, sah die Rolle der europäischen Journalisten ähnlich kritisch: „Viele Medien in Europa nehmen die Komplexität in den USA nicht wahr.“ Auf seiner China-Reise habe er weniger Antiamerikaner getroffen als im traditionell befreundeten Europa. Konkrete Beispiele, welche Medien wann falsch oder einseitig berichtet hätten, gab es nicht.

Den Anlass, um ein wieder differenzierteres Amerika-Bild zu zeichnen, könnten die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen bieten. Die deutschen Sender planen Reportagen und sogar Live-Übertragungen vom TV-Duell zwischen Bush und John F. Kerry. Das ZDF will die „Werte- Verschiebung“ zwischen USA und Europa zum Thema machen und mit amerikanischen Medien wie der „New York Times“ kooperieren. Peter Kloeppel versprach „eine Art Reality- Check“ vom Leben in den USA in allen RTL-Sendungen und möchte Amerika „nicht nur in der Nabelschau Washingtons abbilden“.

Und Werner Sonne, der für die ARD einst aus Washington berichtete, hält diese Wahl für deutlich wichtiger als die Präsidentschafts-Duelle in den vergangenen Jahrzehnten. „Früher gingen wir immer davon aus, dass wir uns gemeinsam verstehen. Das ist jetzt nicht mehr so.“

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