Medien : Risikofaktor Ehe

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Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Die Liebe ist nur im Schlager schön. Das zeitgenössische Theater erzählt von Ehekrieg und Familienhöllen, wenn es um das Verhältnis zwischen Mann und Frau geht. „Zimmerschlachten“ nennt Wolf Eismann seinen analytischen Streifzug durch die Welt der bürgerlichen Beziehungsdramen. Die Ehe mit ihren Absolutheits und Ewigkeitsansprüchen gilt hier als hochriskantes Unternehmen, ihr Scheitern ist plausibler als ihr Gelingen.

August Strindberg war vor hundert Jahren der erste, der sein Publikum an heißen Ehekriegen im Kammerspielformat teilnehmen ließ. Während Ibsens Ehefrauen noch schöne Freiheitssehnsucht und tapfere Wahrheitsliebe zeigten, schob der Misogyn Strindberg ihnen alle Schuld an der nervlichen Zerrüttung ihrer Männer in die Schuhe. Eismann untersucht den Weg des Ehedramas von Strindbergs „Totentanz“ bis Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ und Lars Noréns „Dämonen“. Ein langes Jahrhundert privater Kriege. Was an diesen Zimmerschlachten, so fragt der Autor, bleibt sich immer gleich? Was ändert sich mit dem Lauf der Sitten und Moden (Deutschlandradio, 27. Februar, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz)?

Dasselbe Thema am authentischen Fall untersucht ein Feature von Elmar Stolpe. Noch einmal die schaurig-schöne Geschichte von Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre. Das öffentliche Intellektuellen-Paar als Gegenstand schwärmerischer Kaffeehauslegenden. Fünfzig Jahre lang hat man miteinander gelebt, in „geistiger Komplizenschaft“, wie Sartre es nannte. Man hat die Dialektik von Freiheit und Treue erprobt und ist irgendwie daran gescheitert.

Natürlich fehlte es schon zu Lebzeiten nie an Skeptikern, später gesellte sich üble Nachrede hinzu. „Zwei in eins verschmolzene Bewusstseine“, so der durchaus kitschverdächtige Titel der Sendung. Er stammt aus Sartres Feder (SWR 2, 23. Februar, 18 Uhr 30, Kabel UKW 107,85 MHz).

Was die Liebe aber mit Chemie zu tun hat, das erklärt uns Matthias Eckoldt in seinem Feature „Betörende Stoffe“. Es geht um synthetische Hormone, die das menschliche Gefühlsleben beeinflussen. Um künstliche Liebesdrogen, die so genannten Pheromone. Sexuelle Lockstoffe, für die unser Körper ein eigenes Sinnesorgan besitzt. Den sexten Sinn, wie die Fachleute scherzen. Eckoldts Thema reicht von aphrodisierenden Parfüms bis zur blauen Lustpille Viagra (Deutschlandradio, 22. Februar, 19 Uhr 05).

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