Medien : Ritterspiele statt WM-Spiel ARD und ZDF: Keine digitale Satelliten-Ausstrahlung

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Nur 24 Spiele der Fußball-WM im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, und selbst die können nicht alle Zuschauer sehen. Die rund eine Million Haushalte mit digitalem Satellitenempfang bleiben von den Übertragungen bei ARD und ZDF ausgesperrt, wie erst kurz vor dem Anpfiff des Eröffnungsspiels offenbar wurde. Die ARD zeigte statt Fußball einen Ritterfilm. Die Sender konnten sich mit dem Rechteinhaber Kirch-Media nicht auf eine digitale Satelliten-Ausstrahlung einigen. Nach bewährter Tradition schoben sich beide Seiten den Schwarzen Peter zu und erklärten unisono, dass der Bildschirm für die Digital-Seher bis zum Ende des Turniers schwarz bleiben werde.

Gescheitert sind die Verhandlungen an dem, worum es bei dieser Fernseh-WM am meisten geht – am Geld. Kernfrage war, wer für etwaige Schadensersatzforderungen aufkommen muss. Kirch- Media hat die Fernsehrechte weltweit verkauft, unter anderem an das Pay-TV Via Digital in Spanien und an Fernsehstationen in Norwegen, Polen und Nordafrika. Diesen Sendern wurden exklusive Übertragungen garantiert. In diese Länder strahlt aber auch das Digital-Fernsehen von ARD und ZDF ein, womit die exklusive Vermarktung der Käufer beeinträchtigt sein könnte. Daraus hätten sich Schadensersatz- Zahlungen ableiten können. Kirch-Media verlangte deshalb von ARD und ZDF eine Freistellung bei nachgewiesenen Rechte-Verletzungen. ARD und ZDF waren nur bereit, sich an diesem „uferlosen“ Risiko mit maximal fünf Prozent zu beteiligen. Darauf wollte sich Kirch-Media nicht einlassen.

Der digitale WM-Blackout hat bereits am am Freitag zu hunderten von Anrufen bei der ARD geführt. „Seit 12 Uhr ist hier unglaublich viel los“, sagte Sabine Knott, Leiterin der ARD-Zuschauerredaktion in München. „Gelegentlich wurden wir beschimpft. Aber die meisten Leute haben es mit Fassung getragen“, berichtete sie weiter. Man weise die Zuschauer auf die Alternativen zur digitalen Übertragung hin – einmal die Möglichkeit, das Gerät vom digitalen auf analogen Empfang umzustellen. Sollte das nicht funktionieren, „dann finden die Zuschauer vielleicht noch im Keller einen alten analogen Receiver“. Knott räumte ein, dass „es nicht einfach ist“, den Zuschauern dies alles zu erklären, vor allem, weil die ARD bis zuletzt mit einer Digital-Übertragung gerechnet hätte. „Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir wenige Anrufe, das wird sich am Wochenende ändern“, sagte ZDF-Sprecher Philipp Baum. Es könne ja die gute alte Zimmerantenne hervorgeholt werden, empfahl er. Das ZDF wird am Sonntag mit WM-Übertragungen beginnen. Joachim Huber

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