Medien : Riverrafting mit der Gräfin

Iris Ockenfels

Eine "für das deutsche Fernsehen ungewöhnliche Gratwanderung" nennt Produzent Nico Hofmann seinen neuesten Film. Denn "Liebe.Macht.Blind" (20 Uhr 15 im Ersten) springt nur so durch die Genres. Zu Beginn ist er eine leichte Komödie. Dann mutiert er zu einem Action-Abenteuer, kippt um in einen düsteren Psycho-Thriller und findet erst in den letzten Minuten wieder zum heiteren Ton des Anfangs zurück. Auf diesen gewagten Trip durch die Filmgattungen schickte Hofmann unter anderem seinen guten Freund Götz George, Barbara Auer und Armin Rohde.

In der Geschichte von Drehbuchautor Sascha Arango und Regisseur Thorsten Näter ist niemand, was er vorgibt zu sein: Alexander Stahlberg (Götz George) residiert als Konsul von Paraguay in Baden-Baden, verkauft nebenher gefälschte Akademiker- und Adelstitel und verkuppelt gegen Gebühr verarmte Aristokraten mit neureichen Profilneurotikern. Zu Letzteren zählt sein Kunde Brummer, ein ebenso ungebildeter wie wohlhabender Tierfutterfabrikant (Armin Rohde).

Stahlberg vermittelt Brummer die schöne Gräfin von Wallenberg (Barbara Auer) aus Südafrika. Doch dann verliebt sich der Konsul selbst in die vermeintliche Aristokratin. Er kassiert von Brummer trotzdem die halbe Million Mark Vermittlungshonorar, heiratet ihm die Gräfin vor der Nase weg und macht sich mit ihr auf nach Afrika. Hier endet die Komödie.

Der Film lässt die Witzigkeit in Baden-Baden zurück. Denn in Afrika warten Tod und Verderben. Nach Riverrafting in afrikanischen Stromschnellen auf dem Weg zum ärmlichen Wohnsitz der Gräfin erweitert sich die Geschichte um den angeblichen Bruder der Wallenberg. Der wartet bereits auf das Paar, er braucht nämlich dringend eine Finanzspritze für seine Drogensucht und seine kostspielige Forschung. Und nun folgt noch ein psychologisches Drama, bei dem sich die drei Protagonisten im erbitterten Kampf um Geld und Liebe das Leben gegenseitig zur Hölle machen.

Die Genres wechseln jeweils arg abrupt; Komik und Dramatik sind streng voneinander getrennt. Dadurch wirken Handlung und Charaktere seltsam gebrochen, die Motive der Figuren bleiben nebulös.

Knapp fünf Jahre haben Hofmann und seine Crew in das Projekt gesteckt, mehrere Wochen wurde in Afrika gedreht, Nebenrollen mit bekannten Darstellern besetzt. Entsprechend kündigte Hofmann "Liebe.Macht.Blind" als "Event" an - zu viel gewollt, ein bisschen weniger hätte dem Film besser getan.

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