Robert Hetkämper : Sushi, mon amour

Ein Vierteljahrhundert Asien: ARD-Korrespondent Robert Hetkämper hört auf.Zum Abschluss erzählt er von den Lieblingsmomenten seiner Karriere.

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Robert Hetkämper. Foto: PHOENIX/ARD Studio Singapur
Robert Hetkämper.Foto: PHOENIX/ARD Studio Singapur

Dass er in einem solchen Moment überhaupt ans Handy geht! Soeben, sagt Robert Hetkämpers Telefonstimme, habe er das ARD-Studio in Singapur verlassen, „zum letzten Mal, mit Tränen in den Augen“. Oh - vielleicht sollte man das Gespräch dann lieber auf einen anderen Zeitpunkt...? „Ach was“, sagt Hetkämper, nun wieder ganz Korrespondent, „lassen Sie uns reden!“

Der Mann mit dem Hut (so wird er inzwischen sogar in ARD-Pressemitteilungen genannt) hat, wenn er diesen Monat in Rente geht, insgesamt rund ein Vierteljahrhundert lang aus Asien berichtet. Fernsehzuschauer kennen seinen beigen Panama aus dem „Weltspiegel“, aus der Reihe „Gesichter Asiens“, aus der Phoenix-Sendung „Mein Ausland“. 13 Jahre lang hat Hetkämper das von ihm mit aufgebaute ARD-Studio in Singapur geleitet, zuvor war er ein knappes Jahrzehnt in Tokio stationiert, auf Reisen hat er den kompletten asiatischen Kontinent erkundet. Da kann man nach dem letzten Arbeitstag schon mal eine Träne verdrücken.

Zaungast einer Thunfisch-Aktion

Genau das wird vielleicht auch der eine oder andere Zuschauer tun, wenn Robert Hetkämper an diesem Sonntag auf Phoenix eine Zusammenfassung seiner Auslandsreportagen präsentiert: In „Meine kleine Sushi-Bar und andere Geschichten aus Asien“ erzählt der gebürtige Westfale mit dem charakteristisch scharfen „r“ von den Lieblingsmomenten seiner Korrespondentenkarriere.

Wir erleben Hetkämper da beispielsweise als Zaungast einer Thunfisch-Auktion auf dem weltgrößten Fischmarkt in Tokio oder im Gespräch mit dem thailändischen Star-Tätowierer, der Angelina Jolie religiöse Ornamente in den Rücken stechen durfte. In anderen Szenen erklärt uns Hetkämper die Finessen des motorisierten Transportgewerbes von Hanoi („Wer denkt, dieses Moped ist schon voll, der kennt Vietnam nicht“), bereitet sich mit Feuertänzern in Papua-Neuguinea auf einen Vulkanausbruch vor oder interviewt todesverachtende Base-Jumper auf den Zwillingstürmen von Kuala Lumpur.

Immer wieder treibt sich Hetkämper außerdem auf den Philippinen herum, dem Ort, wo seine Asien-Karriere in den 80er Jahren ihren Lauf nahm. Der Journalist, geboren 1949, als Radioreporter in Oberbayern tätig, wurde von der ARD als Vertretung ins Singapur-Studio geholt, reiste von dort aus zum ersten Mal nach Manila – und geriet mitten hinein in die People-Power-Revolution, die 1986 zum Sturz des Diktators Ferdinand Marcos führte. In seiner Abschiedssendung verbringt Hetkämper in Erinnerung an jene aufwühlenden Zeiten einen sentimentalen Abend im Musikclub seines Freundes, des philippinischen Rockmusikers Freddie Aguilar.

Was sich in der Region verändert hat im Lauf der Jahre? Eine Antwort gibt im Film der Inhaber von Hetkämpers Lieblings-Sushibar in Tokio: „Hetkämper-San ist dicker geworden, und die Geschäfte gehen nicht mehr so toll.“

Der Journalist selbst spricht von einer Entpolitisierung der Asien-Berichterstattung, die sich seit dem Ende des Kalten Krieges zunehmend auf „Naturkatastrophen und Skurrilitäten“ spezialisieren musste. Das könnte sich in Zukunft aber wieder ändern, glaubt er: Sein Nachfolger Philipp Adresch, der bisher das ARD-Büro in Tokio leitete, werde wohl verstärkt mit dem politischen Machtanspruch Chinas und dessen Auswirkungen für Rest-Asien zu tun haben.

Fehlen, sagt Hetkämper, werde ihm vieles an Asien, vor allem aber „das sanftere Lebensgefühl, diese besondere gesellschaftliche Atmosphäre, die weniger ellbogenhaft ist als in Westeuropa“. Gleichzeitig freue er sich auf Dinge, die er in Asien manchmal vermisst habe - frische Frühstücksbrötchen zum Beispiel, die alten Kulturlandschaften Europas, den Wechsel der Jahreszeiten.

Ganz den Rücken kehren wird Hetkämper dem Kontinent freilich nicht: Als Rentner möchte er zwischen Oberbayern und Asien pendeln, eine Wohnung in Bangkok ist schon gemietet, und der Pensionär ist guter Hoffnung, den NDR auch in Zukunft mit Reisereportagen beliefern zu können – dann allerdings als freier Mitarbeiter.

„Meine kleine Sushi-Bar und andere Geschichten aus Asien“, Phoenix, Sonntag 21 Uhr 45. Am Montag dann um 18 Uhr 45 ist Robert Hetkämper zu Gast bei „DAS“ im NDR-Fernsehen.

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