Romanverfilmung : Hunde von Hamburg

Die ARD hat mit „Blutadler“ einen weiteren Craig-Russell-Krimi verfilmt. Er kann es mit jedem Schweden-Thriller aufnehmen.

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Die Spur führt zur türkischen Mafia. Kommissar Jan Fabel (Peter Lohmeyer, rechts) ist auf die Hilfe seines Informanten Mahmoot (Numan Acar) angewiesen. Foto: ARD
Die Spur führt zur türkischen Mafia. Kommissar Jan Fabel (Peter Lohmeyer, rechts) ist auf die Hilfe seines Informanten Mahmoot...Foto: ARD Degeto/Tivoli Film/O. Feist

Derart gewalttriefende Stoffe kommen sonst zumeist aus Skandinavien. Henning Mankell, Liza Marklund oder aktuell Jussi Adler-Olsen lehren ihren Lesern bekanntlich besonders gern das Fürchten. Craig Russell ist Schotte, doch seine Romane sind mindestens ebenso stark von menschlichen Abgründen geprägt wie die spektakulärsten Fälle von Kommissar Kurt Wallander. Die ARD schickt mit „Blutadler“ am Samstag den zweiten Film nach einem Roman von Russell ins Rennen – und das gegen die starke Konkurrenz von „Wetten, dass...?“ im ZDF, das zum zweiten Mal von Markus Lanz moderiert wird (siehe Bericht auf dieser Seite). Die ARD glaubt dennoch, dass der Krimi-Thriller sein Publikum finden wird. Dafür spricht zumindest die Quote, die die erste Russell-Verfilmung „Wolfsfährte“ vor fast genau zwei Jahren eingefahren hatte. 5,99 Millionen Zuschauer schalteten damals ein. Mit einem Marktanteil von fast 20 Prozent brachte das der ARD den Tagessieg. Das Erste wiederholt den Film übrigens am Samstag direkt im Anschluss an „Blutadler“.

Im neuen Fall werden Kommissar Jan Fabel (Peter Lohmeyer) und sein Team von grausamen Ritualmorden in Atem gehalten, die auf einen Opferkult der Wikinger hinweisen. Zwei Frauen wurden bereits ermordet, wobei zwischen der Rechtsanwältin und der Prostituierten offenbar keine Verbindung bestand. In Szene gesetzt wurde „Blutadler“ wie bereits der erste Russell-Film von Nils Willbrandt, das Drehbuch stammt erneut von Daniel Martin Eckhart. Die Darstellung der Gewalt um den Odinkult ist trotz des schauerlichen Namens der Sendezeit angemessen – obwohl die Menge des vergossenen Bluts ohnehin weniger wichtig ist als die Vorstellungskraft der Zuschauer.

Die tragende Rolle übernimmt erneut Peter Lohmeyer als leitender Kommissar Jan Fabel. An diesem Fall scheint er schier zu verzweifeln. Nachts findet er keinen Schlaf, weil er immer wieder die Ermittlungen durchgeht, für seine Freundin bleibt kaum Zeit übrig. Seine Miene wirkt während des ganzen Films wie versteinert, es gibt einfach keinen Anlass, sich auch nur kurz zu entspannen. Resigniert und niedergeschlagen lässt die Mordserie ihn zurück. Die kurz rasierten Haare unterstreichen den Eindruck zusätzlich.

Die Binnendynamik in der Hamburger Mordkommission liegt hingegen auf „Tatort“-Niveau. Das Team wurde gerade um die toughe, aber eigenwillige Anna Wolff (Ina Paule Klink) vergrößert. Mit Sätzen wie „Wir brauchen noch mehr Opfer, rein statistisch gesehen, um den Täter zu fangen“ macht sie sich keine Freunde. Dennoch kommen sich Anna Wolff und ihr neuer Partner Henk Herrmann (Hinnerk Schönemann) schnell näher. Vierte in der Gruppe ist Maria Klee (Lisa Maria Potthoff), die anders als Kommissariatsleiter Faber auch auf die zwischenmenschlichen Töne achtet. Die Konstellation ähnelt damit ein wenig dem gerade gestarteten Dortmund-„Tatort“. Und auch sonst zeigt dieser Film, wie stilbildend die erfolgreiche TV-Reihe für den deutschen Kriminalfilm ist.

Doch die Romanvorlage von Craig Russell geht über einen typischen Sonntags-„Tatort“ hinaus. Die Handlung ist vielschichtig und komplex. Einige Spuren führen Richtung türkische Mafia, das LKA schaltet sich ein, weil das Blutadler-Ritual rechtsradikal motiviert sein könnte. Darüber hinaus gibt es Anzeichen, dass in der Polizei ein Maulwurf ein falsches Spiel treibt. Immer, wenn Fabel etwas vorankommt, muss er feststellen, dass der Täter ihm weiterhin einen Schritt voraus bleibt. Die unterschiedlichen Handlungsstränge können aber auch die Zuschauer überfordern. Zumal Fabels Team einige wesentliche Ermittlungsergebnisse im Film quasi im Vorbeigehen präsentiert, während diese im Roman mühsam erarbeitet werden.

Sollte die Quote von „Blutadler“ trotz der „Wetten, dass..?“-Konkurrenz stimmen, werden Kommissar Fabel und sein Team den Hintermännern der grausamen Verbrechern auf der Spur bleiben. Produzent Thomas Hroch hat jedenfalls große Pläne mit den Craig-Russell-Stoffen. Sechs Romane liegen bereits vor, zwei weitere sind in Planung. Und wie bei Mankells Wallander wäre es für Hroch auch bei Jan Fabel denkbar, weitere Geschichten rund um den melancholischen Kommissar zu entwickeln.

„Blutadler“, ARD, 20 Uhr 15

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