Medien : Rote Socken für Angela Merkel

Michael Geffken

Partei-Generalsekretäre werden periodisch Opfer der Neigung, mit großem Getöse vermeintlich witzige Plakatmotive zu präsentieren. Laurenz Meyer von der CDU blamierte sich 2001 mit dem Schröder-Fahndungsplakat zum Thema Rente. Jetzt hat es Dirk Niebel erwischt; er stellte dem erstaunten Publikum in der vergangenen Woche einen Aufguss des legendären Rote-Socken-Motivs der Union von 1994 vor – für die FDP aparterweise von derselben Agentur entwickelt, die seinerzeit die CDU-Socken gestrickt hatte.

Nach einem Aufschrei der ostdeutschen FDP-Landesverbände musste auch Niebel zurückrudern; seine Socken wurden vom Plakat zur Postkarte geschrumpft. Das Motiv solch humoristischer Einlagen von Politikwerbern ist klar: Mit einer medienwirksamen Präsentation von Wahlplakaten möchte man deren Wirkung via Zeitungen und Fernsehen vervielfachen. Dabei sollte man allerdings drauf achten, dass der Humor auch von der Zielgruppe goutiert wird.

Die FDP-Aktion ist Resultat der Panik, die die Strategen aller Parteien wegen der rasant steigenden Umfrage- Werte der Linkspartei befallen hat. Am heftigsten hat es dabei die CDU/CSU erwischt.

Spricht man die Wahlkampfwerber in den Agenturen der Union auf die Probleme an, die sie vor drei Jahren mit ihrer Kampagne hatten, so verdrehen sie noch heute die Augen. Sie mussten damals die CSU-Kampagne in Bayern für einen bayrischen Ministerpräsidenten als Kanzlerkandidaten mit der CDU- Kampagne in den anderen Ländern für einen Kanzlerkandidaten aus Bayern synchronisieren. Jetzt kam die Kandidatin aus dem Osten kurzzeitig sogar auf die Idee, es mit gleich drei Kampagnen zu versuchen: mit einer CSU-Kampagne für eine gesamtdeutsche Kandidatin in Bayern, mit einer CDU-Kampagne für eine ostdeutsche Kandidatin im Osten und mit einer CDU-Kampagne für eine gesamtdeutsche Kandidatin im Rest der Republik.

Zu kompliziert? Das fand Angela Merkel dann auch – und machte einen noch schnelleren Rückzieher als Peter Sodann bei seiner Linkspartei-Kandidatur. Jetzt soll es doch eine Kampagne aus einem Guss geben – mit der traditionellen Extrawurst für die bayerische Schwesterpartei. Man wolle aber auf die besondere Gefühlslage der Wähler im Osten eingehen. Vielleicht trägt Angela Merkel jetzt bei Auftritten in Neumünster schwarze Socken zum Hosenanzug, in Neubrandenburg dagegen rote.

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