Medien : RTL: Medienkonzern will bei n-tv einsteigen

Matthias Hochstätter

Jetzt ist es raus: RTL übernimmt gut zehn Prozent der Anteile an dem Nachrichtensender n-tv. Das weiß zumindest der Branchendienst Kress. Doch der weiß immer sehr viel zu berichten, vor allem was Gerüchte angeht. Karl-Ulrich Kuhlo, der n-tv-Gründer und Aufsichtsratschef, meint, dass das schon alles stimmen könnte, genau so gut aber auch nicht. Sein Geschäftsführer Helmut Brandstätter hat dagegen Angst, zum Nachrichten-Lieferanten der RTL-Senderfamilie degradiert zu werden. Sonst schließt sich Brandstätter der Meinung Kuhlos an: Noch ist nichts sicher. Sicher ist, dass RTL ganz dringend seine Nachrichtenkompetenz in einem News-Sender unter Beweis stellen will. Sicher ist, dass der Medien-Konzern AOL Time Warner seinen 24 Prozent-Anteil verkaufen möchte. Sicher ist auch, dass bei RTL alles dementiert wird, was Medien über den geplanten Einstieg bei n-tv seit Monaten berichten. So auch diesmal: "Das stimmt nicht", dementiert RTL-Sprecherin Ingrid Haas routiniert. Die Verhandlungen dauerten noch an. Und das kann lange dauern.

Die Besitzverhältnisse bei n-tv sind kompliziert. Neben Time Warner hält auch die Tochter CNN 26 Prozent. Dann gibt es da noch den Holtzbrinck-Verlag (28 Prozent), die Gebrüder Nixdorff (19 Prozent) und eine Reihe von Mini-Gesellschaftern, wie Kuhlo, die zusammen knapp drei Prozent halten. Nun stoßen auch die Nixdorffs zehn Prozent ab. Die soll RTL bekommen. Den Time Warner-Anteil will Holtzbrinck übernehmen. Der Verlag, zu dem auch der Tagesspiegel gehört, befürchtet nämlich, dass RTL nach seinem Einstieg über kurz oder lang die Mehrheit bei n-tv anstrebt. Doch Holtzbrinck ist bei den Verhandlungen mit RTL nicht das Problem. Ärger machen die Kleinen. Die Mini-Eigner haben wie auch der Groß-Eigner Holtzbrinck ein Vorkaufsrecht, üben das jedoch im Gegensatz zum Stuttgarter Verlagshaus nicht aus.

Und damit sie das gegenüber RTL auch ganz sicher nicht ausüben, soll der Kölner Großsender noch ein bisschen mehr Geld locker machen. "Es sind ganz, ganz zähe Verhandlungen", sagt RTL-Sprecherin Haas. Doch viel werden die Mini-Eigner nicht herausschlagen können. Sie sind momentan in einer schlechten Verhandlungsposition: Die n-tv-Geschäftsführung ist froh, wenn sie in diesem Jahr in der Gewinn- und Verlustrechnung eine schwarze Null ausweisen kann.

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