Medien : RTL probt den Lauschangriff

Kölner Sender überträgt die Formel 1 bis 2007. Verbesserte Dramaturgie und neue Regeln sollen Spannung steigern

Matthias Thibaut[London]

Von Matthias Thibaut,

London

Mit einem bombastischen Filmchen gab RTL in London die Vertragsunterzeichnung über die Ausstrahlung der Formel 1 bis 2007 bekannt. „The Winner is the RTL Audience“, brüllte der Sprecher mit schwerem deutschem Akzent. Angereist war zwar die deutsche Sport- und Medienpresse. Doch zu Ehren von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone musste alles auf Englisch stattfinden. RTL bewahrt über die Höhe der bezahlten Summe Stillschweigen, doch hieß es, der Preis für die deutschen Free-TV-Rechte habe sich von 20 Millionen Euro auf 80 Millionen Euro pro Saison vervierfacht. RTL-Informationsdirektor Hans Mahr sagte mit englischem Understatement lediglich: „Bisher haben wir mit der Formel 1 ganz gut leben können. Nun müssen wir uns sehr anstrengen.“ Als Mitbewerber für die Lizenz war ProSiebenSat 1 aufgetreten. Letztlich gab die bisher gute Zusammenarbeit zwischen RTL und den Lizenzgebern, der Formel One Administration Limited (FOA), den Ausschlag.

RTL profitierte bislang stark vom Aufschwung der Formel 1 und der deutschen „Schumi-Welle“. Die Zuschauerzahlen haben sich von unter zwei Millionen in 1998 auf über zehn Millionen im Durchschnitt erhöht. In der letzten „Langweiler“-Saison ging das Publikumsinteresse zwar zurück, die Quoten sanken aber nur um sieben Prozent. Laut Mahr ist die Formel 1 die einzige Sportart, mit der man noch die Chance hat, „ein bisschen“ Geld zu verdienen. „Beim Fußball tut es täglich weh.“ Auf 6,5 Millionen Zuschauer kommen die Übertragungen der Fußball-Champions-League. Für die nächste Saison hat RTL immer noch kein Angebot abgegeben und ist, wenn die Rechtepreise nicht sinken, bereit, ganz darauf zu verzichten.

Beim Motorsport erhält RTL 2004 bis 2007 für sein eingesetztes Geld einfach mehr. „Wir haben alles, was die Formel 1 zu bieten hat. Das Beste vom Besten“, sagte Mahr. Eingekauft wurden die exklusiven deutschen Free-TV-Rechte für das Gesamtpaket mit sämtlichen Wettbewerbsteilen – auch die bisher freitags von der ARD ausgestrahlten Trainingsläufe. Teile der Rechte wird RTL weiterverkaufen.

RTL-Sportdirektor Manfred Loppe kann auf neue dramaturgische Elemente zurückgreifen: Live-Schaltungen in den Bordfunk der Teams sollen die Berichterstattung authentischer und dynamischer machen. Schon in der nächsten Saison werden die Fahrermeetings übertragen – noch weiß aber niemand, ob sich Schumacher & Co. beim „Lauschangriff“ Wegweisendes zu sagen haben.

Neue Spannung bringen die Regeländerungen des Motorsportverbands FIA. Weniger Computer und Elektronik, mehr Unwägbarkeiten – vor allem in der Startphase ist laut RTL-Experte Niki Lauda „ein großer Schritt nach vorn“ gelungen. „Wir werden nicht mehr diese langweiligen Rennen wie bisher haben.“ Fahrer, nicht Computer, sollten fahren. FIA-Chef Max Mosley gab sich optimistisch, dass die neuen Regeln trotz der Proteste der Teams Williams-BMW und McLaren-Mercedes in Kraft treten: „Wir setzen eigentlich nur geltende Regeln schärfer durch.“ Viele Teams wollten die Rennen „mit Geld, statt mit Talent“ fahren.

Ab 2008 könnte die Formel 1 dann ganz anders aussehen. Ecclestone bestätigte, dass er die 75 Prozent der Formel-1-Aktien aus der Kirch-Konkursmasse zurückkaufen würde. Zurzeit liegen sie bei drei Banken. Aber andere könnten Ecclestone zuvorkommen. Britischen Presseberichten zufolge wollen die Autohersteller, angeführt von Ferrari-Chef Luca di Montezemolo, eine Konkurrenzserie zur Formel 1 gründen. Die Gruppe soll sich schon nach einem Ersatz für den 72-jährigen Ecclestone, Schöpfer und Dauermanager der Formel 1, umsehen.

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