RTL-Serie : Aus der House!

Warum sich die Serie mit Hugh Laurie – schluchz – erledigt hat.

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Foto: RTL
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Es war kein Fehler, kein Irrtum, alles andere als vertane Lebenszeit. Der Dienstag um 21 Uhr 15 war heilige Zeit. Die vielen Stunden, die mit durchschnittlichem Fernsehen vergeudet worden waren, fielen in diesen 60 RTL-Minuten in sich zusammen, der Mensch als Zuschauer war geläutert. Diese Serie war Katharsis, wie sie nur zeitgenössisches amerikanisches Serien-Fernsehen auslösen kann.

Aber: Es war einmal. „Dr. House“ hat seinen Magnetismus eingebüßt. Die Folge am vergangenen Dienstag, „Schlaflos“ im Titel, war nicht der erste und doch der klarste Beleg, wie sehr die Serie rückwärts läuft. Gregory House und Lisa Cuddy sind erneut getrennt, der Arzt wirft wieder Vicodin ein, umringt von Callgirls schikaniert er sein Team, damit Bullenreiter Lane dem Tod entkommt. Das ist absurd aus Verzweiflung, der Effekt ist kapriziös, nachhaltig ist er nicht.,

„Dr. House“ ist in der laufenden Staffel vom Vorwärts- in den Wiederholungsmodus gewechselt. Virtuos tänzeln die Figuren, doch tänzeln sie auf der Stelle. Die Krankheitsfälle fern von Schnupfen und Diarrhö mögen weiter faszinieren, die Binnenspannung zwischen House und Cuddy und Wilson und Foreman und Taub ist weg. Der Kern von „Dr. House“ ist beschädigt, was der Zuschauer erlebt, ist Kernschmelze. Gerade die Beziehung zwischen dem Arzt und der Klinikchefin – anfangs spannungsgeladen durch die On-off-Signatur – ist zur Schmonzette verstrahlt. Kitsch as Kitsch can.

Es ist neu und beileibe nicht auf diese Serie beschränkt, dass die grandioseste Fernseherzählung mit Staffel sieben, spätestens mit Staffel acht in die Krise kommt. Hugh Laurie sinnierte schon über das Ende. Als Diagnostiker weiß sein House zu genau, wann die Apparate abgeschaltet werden müssen. Mehr und mehr Zuschauer wissen es auch. „Schlaflos“ holte noch 2,79 Millionen Zuschauer, ein neues Allzeit-Tief ist markiert. Nicht der Patient, der Arzt ist tot. Joachim Huber

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