RTL-Serie : Männerwirtschaft

„Die Draufgänger“: RTL schickt Jörg Schüttauf und Dominic Boeer als ungleiches Paar auf Verbrecherjagd.

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Verdutzt im Einsatz: Markus (Jörg Schüttauf, li.) und Carl (Dominic Boeer).
Verdutzt im Einsatz: Markus (Jörg Schüttauf, li.) und Carl (Dominic Boeer).Foto: RTL

Der Schauspieler Jörg Schüttauf gehört zu den sympathischeren Erscheinungen in der Branche. Immer etwas spitzbübisch wirkend, Rummel um seine Person mag der Potsdamer scheinbar nicht. Dass Schüttauf am zweiten Weihnachtstag 50 wurde, davon ließ er neulich im „Kölner Treff“ bei Bettina Böttinger wenig spüren. Dafür erzählte er lieber die unglaubliche Geschichte, wie er seine erste, aus den Augen verlorene Tochter nach 15 Jahren zufällig bei einem Filmdreh in Australien wieder getroffen hat. Bei diesem Dreh handelte es sich um keinen Krimi. Worauf man bei Schüttauf erst mal kommen muss. Von 2001 bis 2010 spielte der geborene Chemnitzer in Frankfurt als Ermittler an der Seite von Andrea Sawatzki einen der interessantesten „Tatort“-Parts der vergangenen Dekade. Davor war Schüttauf jahrelang in der Vorabendserie „Der Fahnder“ zu sehen. Da ist fast vergessen, dass er 1992 für seine Darstellung des „Lenz“ den Grimme-Preis erhielt. Umso überraschender, dass sich der Schauspieler mit dem RTL-Format „Die Draufgänger“ nun wieder eine Krimiserie ausgesucht hat.

Einmal Kommissar, immer Kommissar? Andererseits: Mit dem ruppigen „Tatort“-Kommissar Fritz Dellwo, Typ einsamer Wolf, hat jener sächsische LKA–Beamte und Familienvater Markus Maiwald wenig zu tun. Man kann RTL vieles vorwerfen, aber dass der Privatsender auf seinem Donnerstags-Platz mit Serienproduktionen experimentiert und dafür Schauspieler wie Jörg Schüttauf gewinnt, versöhnt mit manch’ Trash-Format aus Köln. Am Donnerstag startet die auf acht Teile angesetzte Produktion „Die Draufgänger“, deren Pilotfilm Ende 2010 mit guter Einschaltquote auf RTL anlief.

Das ist, zugegeben, leichte Unterhaltung. Aber den beiden ungleichen Kommissaren Carl Berger, gespielt von Dominic Boeer („Doctor’s Diary“), und Maiwald/Schüttauf schaut man gerne bei der Arbeit zu. Man kennt die Chemie aus der US-Serie „Männerwirtschaft“: zwei Typen, Chaos und Ordnung. Berger, der Wirbelwind, und Maiwald, der vorsichtige Polizist, der den Jüngeren bei seinem Drang zu Alleingängen schützen muss. Während Familienmensch Maiwald nach dem Feierabend schielt, um mit seiner taubstummen Tochter zu spielen, pfeift Carl auf persönliche Sicherheiten und gibt Verbrechern Unterschlupf, wenn sie so gut aussehen wie die Autodiebin (Julia-Maria Köhler) in der ersten Folge.

Ein charmanter Krimi, gedreht in der Sächsischen Schweiz, sicher nicht tauglich für einen Fernsehpreis, andererseits ein guter Versuch in Sachen Krimi-Comedy à la „Mord mit Aussicht“. Alleine die ungewöhnliche Danksagung, die Berger dem verdutzten Kollegen im Auto nach getaner Arbeit angedeihen lässt, ist das Einschalten wert. „Ich bin schon eher ein komischer Kauz als ein ernst zu nehmender Mensch“, sagt Jörg Schüttauf über sich. Der Zug tut dem charmanten Krimi richtig gut.

„Die Draufgänger“, RTL, 20 Uhr 15

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