RTL-Show : "Das Camp ist wie die Ur-Kommune"

Alt-68er Rainer Langhans über Vegetarier im Dschungel, Geld im Überfluss und Sex im Alter. Und was man mit 50.000 Euro anstellen soll.

Für Rainer Langhans, 70, ist das „Dschungelcamp“ die Fortsetzung der Kommune mit anderen Mitteln. Die Frage ist nur, was sollen die fünf Frauen seiner derzeitigen Lebensgemeinschaft in München in den zwei Wochen ohne ihn machen? Foto: pa/dpa
Für Rainer Langhans, 70, ist das „Dschungelcamp“ die Fortsetzung der Kommune mit anderen Mitteln. Die Frage ist nur, was sollen...Foto: picture alliance / dpa

Herr Langhans, Sie wollen in wenigen Tagen ins RTL-Dschungelcamp einziehen.

Noch steht das nicht hundertprozentig fest, sonst dürfte ich auch gar nichts mehr dazu sagen.

Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben?

Noch nicht ganz, aber ich bereite mich auf das Camp vor. Für den 9. Januar sind ja wohl die Flüge geplant.

Immerhin haben Sie ausgehandelt, dass Sie in Australien keine Insekten verspeisen müssen. Seit wann sind sie Vegetarier?

Seit 1972.

Was war der Auslöser?

Das Ende der Kommune war für mich wie der Rauswurf aus dem Paradies. Wir haben damals alles versucht, wieder ins Paradies hineinzukommen – mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Allerdings vergeblich. Ich habe glücklicherweise einen spirituellen Weg gefunden. Und dazu gehörte als Grundbedingung eine längere Zeit der Meditation und strenger Vegetarismus.

Also auch keine Kleidung aus Leder?

Veganismus war es noch nicht. Für meine Form gibt es erlaubte Milchprodukte, aber eben kein Fisch, Fleisch, Eier. Denn höheren Lebensformen das Leben zu nehmen, wenn es nicht nötig ist, ist für mich eine fürchterliche Sache. Das hatte ich RTL auch schon bei der ersten Anfrage für das „Dschungelcamp“ gesagt. Damals hieß es noch bei RTL, wir können unsere Regeln nicht für Sie ändern. Jetzt hat der Sender erneut angefragt und mir gesagt, man werde das mit den Regeln schon hinbekommen. Ich finde das wunderbar, denn das „Dschungelcamp“ ist für mich die klassische Kommune-Situation. In der Ur-Kommune haben wir uns damals ebenfalls in totaler Isolation nur mit uns selbst beschäftigt, um einen anderen Ansatz zu finden als diesen bürgerlich-ängstlichen-mörderischen unserer Eltern.

Die Promi-Witwe Tatjana Gsell hat ihre Teilnahme gerade deshalb zurückgezogen, weil sie keine Krabbeltiere verspeisen will. Für Sie gilt eine Sonderregelung. Ist das gerecht?

Sie ist ja keine Vegetarierin. Sie hat nur Angst gehabt, dass sie den ganzen Kram essen muss, der sie so wahnsinnig ekelt. Sie war wohl auch der Meinung, dass man sie für diese Quälerei, die sie uns angetan hat, ganz besonders quälen wird. Aber es geht ja auch gar nicht um Gerechtigkeit.

Das wäre dann doch ein Unterschied zur Kommune?

Nicht ganz. Auch in der Kommune kam jeder mal auf den heißen Stuhl. Dort wurde ihm dann der Spiegel vorgehalten mit dem Ziel, dass er sich ändert. Ihm sollte bewusst werden, dass er unglücklich, traurig oder ängstlich war und somit nicht wirklich lebendig und liebesfähig. Im „Dschungelcamp“ findet das zwar nicht unter einem solchen therapeutischen Gesichtspunkt statt, doch auch dort werden alle von allen sehr viel sehen. Und der Zwang wird genauso groß sein. Im Dschungel bekommt man keinerlei Ablenkung, kein Papier, keine Bleistifte, kein Buch – außer der Notwendigkeit, sich miteinander zu beschäftigen.

Vegetarismus ist häufig ein Protest gegen den Missbrauch von Tieren. Beim „Dschungelcamp“ hat man eher den Eindruck, das ist ein Angriff auf die Menschenwürde.

Das kann man sicherlich so sehen, dass dort Menschen erniedrigt und beleidigt werden. Aber man kann es – und ich gebe mir Mühe, das so zu tun – auch als ein Bootcamp sehen, in dem Menschen, die große Probleme mit der Gesellschaft haben, Grundbegriffe des menschlichen Zusammenlebens beigebogen werden.

Und Sie werden im Dschungel gleich mal die Führung übernehmen?

Ich bin nach wie vor nicht für Führung und Autoritäten. Ich sage nur, dass man mit ein paar spirituellen Methoden besser leben kann, auch wenn ich mir dafür seit über 40 Jahren Häme und Spott gefallen lassen muss. Ich bin ein konsequenter ewiger Kommunarde, der diese Einstellung im Gegensatz zu meinen Ex-Genossen immer beibehalten hat. Zudem sehe ich, dass sich die ganze Gesellschaft dorthin entwickelt.

Wohin?

Die jungen Menschen sind mehr im Internet als hier. Das Internet ist die große Kommune, es ist genau das, was wir damals gewollt haben. Die Jugendlichen wollen dieses andere Leben, das wir damals immerhin für ein Jahr hatten.

Sie wollen nichts Sexuelles ins Camp tragen. Hat das mit Ihrem Alter zu tun?

Das stimmt insofern, als dass man im Alter eine geistigere Verfassung entwickelt. Natürlich zieht sich der Körper von einem zurück. Nun kann man sich überlegen, ob man immer trauriger werden will, weil man immer toter ist. Oder ob man dadurch menschlicher wird, dass sich der Geist stärker entfalten kann als vorher, als einen der Körper durch die Gegend getrieben hat. Ich habe bessere geistige Möglichkeiten entwickelt und interessiere mich deshalb für schlechtere nicht mehr. Genauso wie ich Sex, Drugs and Rock’n’Roll so gut wie nicht mehr verwende, weil es als Esktasetechnik nicht sehr weit führt.

Wie wichtig sind die 50  000 Euro, die Ihnen RTL für das Camp angeboten hat?

Das ist für mich ein ziemliches Problem, mit dem ich mich allerdings derzeit noch nicht beschäftige. Ich habe noch nie so viel Geld bekommen in meinem Leben. Und jetzt plötzlich werde ich geradezu zugeschüttet damit. Da kommen nun natürlich Menschen und sagen „spenden, spenden, spenden“. Aber Spenden sollen oft nur zu einem guten Gewissen verhelfen. Ich möchte mit dem Geld etwas richtig Gutes machen.

Das Interview führte Kurt Sagatz.

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