RTL-"Supertalent" : Pisch-Pisch und Balla Balla

Das RTL-„Supertalent“ findet einen passenden Sieger, doch ob die Show eine Zukunft hat, bleibt weiter offen. Mit seiner Performance dürfte sich Juror Thomas Gottschalk jedenfalls nicht für die nächste Staffel empfohlen haben.

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Der Singer-Songwriter Jean-Michel Aweh setzt sich beim Finale der RTL-Sendung "Das Supertalent 2012" durch.
Der Singer-Songwriter Jean-Michel Aweh setzt sich beim Finale der RTL-Sendung "Das Supertalent 2012" durch.Foto: RTL

Die Vorwürfe haben ihn offenbar doch getroffen. Eine Zeitung habe sogar geschrieben, dass er in der Sendung am vergangenen Samstag eingeschlafen sei, beschwerte sich sich Thomas Gottschalk am Samstagabend in der Finalsendung der RTL-Show „Das Supertalent“ bei seinen Jurykollegen Dieter Bohlen und Michelle Hunziker. Immer wieder hatte der 62-jährige Gottschalk seine Tätigkeit für die RTL-Sendung verteidigt. Das „Supertalent“ sei besser als sein Ruf, hatte der Showmaster zuletzt in „Bild“ erklärt. Und zugleich zugegeben, erst spät in die Sendung reingefunden zu haben. Doch auch das blieb Wunschdenken, bis hinein ins Finale. Während seine Mitjuroren Dieter Bohlen und Michelle Hunziker sich gegenseitig die Bälle zuspielten, sich zuprosteten und ihren Spaß hatten, saß Gottschalk zu häufig unbeteiligt auf seiner Seite.

Wie es mit der Show-Sendung weitergeht, soll zeitnah nach dem Finale bekannt gegeben werden, hatte RTL angekündigt. Und ob Gottschalk und Hunziker noch einmal dabei sein werden, ist ebenso offen. Die Quoten des Supertalents können dem Kölner Privatsender jedenfalls nicht gefallen haben. Die Zuschauerzahlen sind kontinuierlich von acht Millionen im Jahr 2010 auf 6,7 Millionen im vergangenen Jahr auf nun durchschnittlich 5,1 Millionen gesunken. Damit hat sich der Marktanteil von 2011 auf 2012 nahezu auf 16,5 Prozent halbiert. Doch vielleicht wusste Moderator Daniel Hartwich mehr, als er in der Sendung sagte, „wir freuen uns schon auf das nächste Jahr“.  

Das Finale hatte jedenfalls alle notwendigen Elemente für eine große Show: Menschen, Tiere, Sensationen und viel Gesang. Den Jahrmarkt der Eitelkeiten bespielte die Jury, überhaupt kennt RTL keine Schamgrenzen, wenn es um Superlative für das „Supertalent“ geht. Jacko, der singende Papagei, wurde nicht müde, „Hänschen klein“ und „My Baby Baby Balla Balla“ zu piepsen, der Seifenblasenkünstler Hammou Bensalah begeisterte das Publikum nicht nur mit dem ständigen "Pisch, Pisch" seiner Sprühflasche und das Talent der Hallenser Tanzgruppe Tabea kam ebenfalls an – auch wenn es für den Titel nicht reichte.

Die Jury: Thomas Gottschalk bleibt auch im Finale auf Distanz zu Michelle Hunziker und Dieter Bohlen.
Die Jury: Thomas Gottschalk bleibt auch im Finale auf Distanz zu Michelle Hunziker und Dieter Bohlen.Foto: RTL

Bohlen blieb sich selber treu, seine Wertungen erwiesen sich einmal mehr als gleichermaßen zutreffend wie einzigartig. Dass sich Sängerin Deidra Jones mit „I Will Survive“ das falsche Lied ausgesucht hat, hatte bereits Thomas Gottschalk gesagt. Für Bohlen kam es einem „Auftritt bei einer Betriebsfeier bei Kik“ gleich. Auch die Buhrufe des Publikums konnten ihn nicht von seiner Meinung abbringen. Aber auch im Lob bleibt Bohlen der große Meister. „So viel Samt in der Stimme, da kann sich Thomas drei Anzüge draus machen“, gab er Sänger Christian Bakotessa auf den Weg. Gottschalk hingegen urteilte auch im Finale vor allem mit dem Verstand. Juliette Schoppmanns Auftritt beschreibt er als preußisch-präzise, Bohlen fehlte einfach das Gänsehaut-Feeling.

Bei Jean-Michel Aweh hat am Ende alles gestimmt. Mit dem selbst komponierten Song „Raus aus dem Nebel“ hatte er bereits die Jury auf seiner Seite. Bohlen war zu Herzen gerührt, Gottschalk zollte dem 20-Jährigen aus Kassel Respekt, und Michelle Hunziker wünschte ihm den Sieg. Knapp vor ein Uhr morgens stand dann fest, dass der Singer-Songwriter auch für die Zuschauer das Supertalent dieser Staffel ist. Er kann sich jetzt über 100 000 Euro und einen Plattenvertrag freuen. Zuletzt hatten sich außer ihm nur noch Christian Bakotessa und Voodoo-Magier Dan Sperry Hoffnung auf den Titel machen können.

Thomas Gottschalk, die Show-Legende, blieb die Welt des „Supertalent“ bis zuletzt verschlossen. Mit Statements wie „Schwer war das nicht bei Euch. Ein bisschen Zugucken, seinen Senf dazugeben, das ist doch ein toller Job für die Rente“ empfiehlt er sich nicht für die nächste Staffel. Muss er vielleicht auch nicht, schließlich ist er mit der ARD im Gespräch über eine neue Samstagabend-Show. „Mich hast du damit nicht erreicht“, hätte Dieter Bohlen bei anderen Kandidaten wohl geurteilt. Kurt Sagatz

 

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