Medien : Rudelbildung

Die Interview-Zone ist bei Bundesliga und Fußball-WM hart umkämpft

André Görke

Rote Leibchen können an diesem Nachmittag, so gegen 17 Uhr 18, verdammt hilfreich sein im Olympiastadion. Wer so ein Hemd trägt, darf nach Abpfiff des Bundesligaspiels zwischen Hertha BSC und Eintracht Frankfurt auf die Laufbahn und den noch verschwitzten Fußballern ein Mikrofon entgegenstrecken. „Rote Leibchen bekommen die Kollegen von ARD, ZDF und Premiere“, heißt es bei Hertha BSC. „Das sind die Erstverwerter, die bekommen sofort Interviews.“ Und die Print-Reporter? „Mal sehen, wie wir das lösen.“

Seit gut einer Woche gibt es Streit zwischen den Printmedien und der Deutschen Fußball Liga (DFL), die den Reportern seit Saisonbeginn erst zehn Minuten nach Abpfiff den Zutritt zur Interview-Zone gewährt. Leider sind da die Spieler längst in der Kabine und tauchen mit etwas Pech erstmals nach einer Dreiviertelstunde wieder auf. Die Maschinen so mancher Zeitung haben da längst mit dem Andruck begonnen.

Nachdem sich der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) und auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) bei der DFL beschwert haben, lenkt die Liga nun ein. Auch jene Medien, die keine Lizenzen gekauft haben– also Tageszeitungen –, „sind wichtige Partner der Bundesliga“, sagt Christian Seiffert, DFL-Geschäftsführer. In der kommenden Woche sei ein klärendes Gespräch vereinbart. An diesem Spieltag jedoch soll jeder Verein individuell die Arbeitsbedingungen regeln. In Berlin wird es wohl so sein, dass je ein Reporter einer Zeitung direkt nach Abpfiff in die Interview-Zone darf – so, wie es in der vergangenen Saison war.

Kritiker sagen, dass das Fernsehen – anders als die Printmedien – weniger distanziert berichten kann, weil es sein gekauftes Produkt vermarkten muss. Organisatoren dagegen weisen auf die gekauften TV-Rechte hin und die damit verbundenen Privilegien und sprechen „von logistischen Problemen“. Gemessen an der Fußball-WM 2006 sind die Arbeitsbedingungen in der Liga sogar harmlos. „Bei der WM wird kein Print-Journalist zehn Minuten nach Abpfiff an die Spieler rankommen“, sagt Gerd Graus, Medienchef des WM-Organisationskomitees (OK). Bis zu 20 000 Medienvertreter – darunter auch Kabelträger und Techniker – werden im kommenden Jahr in Deutschland erwartet. „Wir werden scharf auswählen, wer von den deutschen Medien überhaupt ins Stadion kommt“, sagt Graus. „Die Nachrichtenagenturen sind nun einmal wichtiger als kleine Regionalzeitungen.“

Zum Vergleich: Zum Bundesligaspiel gegen Frankfurt erwartet Hertha 250 Journalisten. Beim WM-Finale in Berlin werden dagegen mehr als 2000 Print-Reporter aus aller Welt auf der Tribüne sitzen. Nur rund 150 von ihnen bekommen einen Sonderausweis, mit dem sie in die Interview-Zone im Bauch des Olympiastadions gelangen. Dort werden die Spieler allerdings auch erst auftauchen, wenn sie geduscht sind. „Die Erstverwerter haben Vorrang“, sagt Graus und meint damit die live übertragenden Sender. Da das Finale erst um 20 Uhr angepfiffen wird, können kleine Zeitungen die Stimmen der Spieler nicht mehr in ihre Texte einbauen. Wer jedoch das Finale im Stadion sehen darf, hat schon Glück gehabt: Ein Teil der Medien erhält nur Zugangskarten zu den riesigen Zeltstädten auf dem Maifeld und kann dort das Spiel im Fernsehen anschauen. Die Spielberichte in die Redaktion liefern dann die Nachrichtenagenturen. „Wir haben einfach nicht so viel Platz. Und die Fans wollen wir nicht draußen lassen“, sagt OK-Sprecher Graus.

Einen Vorgeschmack lieferte der Confederations-Cup im Juni, der als Test für die WM galt. Beim Spiel der Deutschen gegen Argentinien saßen 400 deutsche Reporter auf der Tribüne – in die heilige Interview Zone kamen am Ende ganze 35.

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