Medien : Rück-Spiegel

Berliner Ausstellung erzählt anhand von Titelbildern Zeitgeschichte

Ulrike Simon

Die Titelbilder des „Spiegel“ sind die Visitenkarte des Nachrichtenmagazins; mal sind sie politisches Protestplakat, mal stumme Anklage, mal ironisch gebrochenes Symbolbild; mal zeigen sie Fotografien, dann wieder Illustrationen. Fast immer erscheinen die Textzeilen darunter sekundär. Aber immer sind die Cover Zeugen der Zeit, in der sie erschienen. Schon die erste Ausgabe des „Spiegel“ im Januar 1947 hatte den typischen roten Rand. Bis heute wurden fast 3000 Ausgaben des Nachrichtenmagazins produziert. Rund 2500 davon zeigt seit Freitag die Ausstellung „Zeitgeschichte im Spiegelbild“ im Einkaufszentrum Potsdamer Platz Arkaden in Berlin.

Die Ausstellung, ergänzt um Videos und Tonbänder, dokumentiert nicht nur die Entwicklung des „Spiegel“, sondern zugleich die Geschichte Deutschlands von der Nachkriegszeit bis heute. Die Idee stammt von Jörg Ziegenspeck, der damit an der Universität Lüneburg ein Studienprojekt organisierte.

Der Schwerpunkt der Ausstellung sind die „Spiegel“-Cover seit den 70er-Jahren bis heute. Was sie nicht zeigt, sind die mehrere tausend unveröffentlichten Titelbilder, die die Redaktion über die Jahre produziert und dann doch verworfen hat. Eines der Videos erklärt, wie das fünfköpfige Team in Hamburg Woche für Woche die Titelbilder plant und entwirft. Und wer genau hinschaut, entdeckt auch zwei Titelbilder unterschiedlicher Ausgaben mit der gleich lautenden Zeile: „Die zweite Chance“. Die zweite Chance wurde Kanzler Gerhard Schröder vom „Spiegel“ schon mehrfach gegeben.

Konrad Adenauer und Björn Engholm, der Bau und der Fall der Berliner Mauer, die Kuba-Krise, die „Spiegel“-, die Guillaume- und die Flick-Affäre, der 11. September, der erste und zweite Golfkrieg – die Deutschland-Tournee der Rolling Stones, die Gründung der Grünen, der Pisa-Test und die Autobiografie von Boris Becker: Die „Spiegel“-Cover wecken Erinnerungen und erzählen die Geschichte anschaulicher als jede noch so gute historische Abhandlung. Und: Bei vielen „Spiegel“-Titelbildern freut man sich über das Wiedersehen, man staunt, wie viele von ihnen sich ins eigene, ins kollektive Gedächtnis gefräst haben.

Die Ausstellung in den Potsdamer Platz Arkaden ist noch bis zum 8. Mai zu sehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar