Medien : Rückkehr auf Zeit

Wie Alexandra Neldel als Lisa Plenske in vier Wochen die Seichtserie „Verliebt in Berlin“ retten soll

Markus Ehrenberg

Lisa Plenske, ein ehrgeiziges junges Mädchen aus dem Örtchen Göberitz bei Berlin, hat sich von der Kantinenaushilfe des schicken Berliner Modelabels „Kerima Moda“ zur Assistentin des jungen Firmenchefs David Seidel hochgearbeitet. Und das bei einem Makel, den man in der oberflächlichen Modewelt nicht verzeiht: Lisa trägt Zahnspange, Dickrandbrille und Strickpullover. Gegen mobbende Kollegen kämpft das Landei um berufliche Anerkennung und um die Liebe zu David Seidel – zunächst vergeblich.

Lisa Plenske, ein ehrgeiziges junges Mädchen aus dem kleinen Örtchen Göberitz bei Berlin, hat sich von der Kantinenaushilfe des schicken Berliner Modelabels „Kerima Moda“ zur Assistentin hochgearbeitet. Und das bei einem Makel, den man in der oberflächlichen…

Lisa Plenske, ein ehrgeiziges junges Mädchen aus dem kleinen Örtchen…

Was ist denn das? Und täglich grüßt das Murmeltier? Nein, ganz so einfach geht das nicht, mit den wiederholten Erfolgsgeschichten, auch nicht im Fernsehen. Wenn am Montagabend Zuschauerliebling Alexandra Neldel nach mehr als einem halben Jahr Pause ihr Comeback in der Sat1-Serie „Verliebt in Berlin“ (kurz: „ViB“) gibt, dann ist das schon die zweite televisionäre Besonderheit dieses Formats. Sogenannte Telenovelas wie „ViB“ oder die öffentlich-rechtlichen Pendants „Sturm der Liebe“ und „Rote Rosen“ sind auf wenige Monate beschränkte, märchenhafte Liebesgeschichten, die werktäglich ausgestrahlt und im Gegensatz zu Daily Soaps auf ein absehbares Ende angelegt werden. Als Lisa Plenske im Sommer 2006 mit Mode-Davids Ja-Wort endlich am Ziel ihrer Wünsche angelangt zu sein schien, setzte Sat1 über die anfangs 225 geplanten Folgen hinaus auf eine Fortsetzung des Aschenputtel-Märchen - ohne Alexandra Neldel, mit der Einwechslung anderer Darsteller, vor allem mit Lisas Halbbruder Bruno (Tim Sander).

Es war, als ob man „Schimanski“ ohne Götz George hätte drehen wollen. Bei auf mehrere Helden zugeschnittenen Seifenopern wie „Verbotene Liebe“ oder „Marienhof“ kommen und gehen Hauptdarsteller am Fließband. Anders im Serienphänomen „Verliebt in Berlin“. Lisa-Plenske-frei stürzte die Quote der aktuellen „ViB“-Staffel nach und nach ab, von vier Millionen auf bis unter zwei Millionen Zuschauer. Das Hochzeitsfinale der ersten Staffel im September 2006 sahen noch acht Millionen Zuschauer. Der Marktanteil in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen fiel danach von 25 Prozent auf zuletzt zehn Prozent. Die Fans machten nicht mit. Ohne Lisa keine Liebe in Berlin.

Die Jungschauspielerin, 31, ehemals Zahnarzthelferin, vor elf Jahren bekannt geworden in der RTL-Erfolgssoap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, muss sich vorkommen wie ein Fernsehpreis gekrönter Star. Für 16 Folgen rückt die Neldel ein, um dem einstigen Prestigeobjekt von Sat1 wieder Leben einzuhauchen. Als der Privatsender seinen Telenovela-Star vor ein paar Wochen in Berlin der Presse vorstellte, ließ dieser offen, ob es nach diesem Gastauftritt bei „Verliebt in Berlin“ nicht noch weitere Einsätze geben wird: „Ich sag mal so, es könnte sehr lange dauern.“ Derzeit dreht Alexandra Neldel zwei Kinofilme und ist nach eigenen Angaben bis Ende 2008 ausgebucht.

Da Neldel/Plenske nun ja nicht schon wieder mit Zahnspange aus Göberitz nach Berlin kommen und sich in einen Chef verlieben kann, haben sich die Autoren etwas einfallen lassen. Statt Fatsuit, dem Anzug aus Silikon, der die Kleidergröße um zwei Nummern steigert und hässliche Fettpolster für die Kamera produziert wie in der ersten Staffel, nun ein kleines „echtes“ Bäuchlein. Lisa ist schwanger, die neunte Woche. Angeblich eine Idee der Schauspielerin: Nachdem Lisa Plenske mit ihrem David ein Dreivierteljahr um die Welt gereist ist, hätte sie einfach schwanger sein müssen. Und Lisa kommt alleine zurück, ohne ihren Prinzen. Sie lernt ihren Halbbruder kennen und versucht den alten Arbeitgeber „Kerima Moda“ zu retten, der sich während ihrer Hochzeitsreise zu einem fiesen Profittempel entwickelt hat. Der bösen Konkurrentin droht sie zu bleiben, „bis die Guten gewonnen haben“.

Dass Alexandra Neldel vorher gehen wird, spielt hier keine so große Rolle. Interessanter ist die Frage, ob es angesichts der jüngsten Pro7-Sat1-Serien-Enttäuschungen („Verrückt nach Clara“, „Allein unter Bauern“) Einfallslosigkeit, Verzweiflung oder etwa doch Genie ist, auf die Personalie Neldel zu setzen und einen TV-Groschenroman partout nicht enden lassen zu wollen, nachdem der Prinz bereits gefunden wurde. Telenovela hin, Neldels Terminkalender her, wenn man seinen Quotenstar schon zurückholt, warum nur 16 Folgen? Warum nicht 16 Wochen? Oder: 16 Jahre? Was ist, wenn die Quoten kurzfristig steigen, im Mai aber wieder fallen? Auch dann wolle man sich nicht von „ViB“ verabschieden, so eine Sat1-Sprecherin. „Mit Laura Osswald und Tim Sander haben wir zwei wunderbare Hauptdarsteller. Wir haben einige Veränderungen vorgenommen und glauben, dass wir mit der aktuellen Ausrichtung auf dem richtigen Weg sind.“ Die Millionen Fans sollten sie also genießen, die Lisa-Plenske-Wochen, die morgen starten. Online kann man das Comeback schon am Sonntag sehen, im Internet beim Video-on-Demand-Portal maxdome.de, kostenlos.

Einen Trost haben Aschenputtel-Fans – über die nächsten vier Wochen hinaus. Ende April geht das mit dem Traumprinzen wieder von vorne los. Dann startet Sat 1 „Alles Betty“. Die Zahnspange und Brille tragende Betty Suarez ist die US-Variante der kolumbianischen Ur-Telenovela „Yo soy Betty, la fea“, nach deren Vorlage einst „ViB“ entstand.

„Verliebt in Berlin“, Sat 1, montags bis freitags, 19 Uhr 15

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