Rüge vom Werberat : Dubiose Hitlerwerbung für Website

Mit Hitler verwandt? Schreckliche Vorstellung, aber endgültige Sicherheit kann trotzdem nicht schaden. Das denkt sich zumindest die Firma Ahnenforschung Ltd. und wirbt mit einem Portät von Adolf Hitler für ihr Familienforschungsportal. Nun hat sich der Werberat eingeschaltet.

Nadine Lantzsch
hitlerwerbung
Zu viel des Schlechten: Hitlerwerbung auf "netzeituing.de" -Screenshot: tso

Wie weit darf Werbung gehen? Wann ist sie noch provokant und in welchen Fällen überschreitet sie Grenzen? Der deutsche Werberat jedenfalls findet die Website der Firma Ahnenforschung Ltd. anstößig und erteilte eine öffentliche Rüge.

Wer versehentlich auf "netzeituing.de" - an Stelle von "netzeitung.de" - landet, bekommt einen Werbe-Popup für die Website "genealogie.de" zu sehen. Auf diesem ist Hitler großzügig abgebildet, im Hintergrund kann man noch Marilyn Monroe, Elvis Presley und Albert Einstein entdecken (siehe Screenshot). Diese Persönlichkeiten wirkten Ahnenforschung Ltd. wahrscheinlich nicht "prominent" genug. Für diese dreiste Werbung bekam die Firma nun eine öffentliche Rüge vom Werberat, dem selbstdisziplinären Kontrollorgan des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft e.V. (ZAW).

Der ZAW wurde durch Proteste aus der Bevölkerung auf die Werbung aufmerksam und befand, dass es "nicht der gesellschaftlichen Grundüberzeugung in Deutschland (entspreche), Hitler in der kommerziellen Werbung als Zugpferd zu benutzen. Vor dem Hintergrund seiner Verbrechen wirke der Zusammenhang mit Ahnenforschung besonders zynisch und treffe insbesondere Menschen, die unter dem Rassenwahn des Nazi-Regimes zu leiden hatten. Auch die bildliche Gleichsetzung mit bedeutenden Personen der Zeitgeschichte sei indiskutabel."

"Keine anstößige Werbung"

Die Firma Ahnenforschung Ltd., die im südhessischen Griesheim ihren Sitz hat, interessiert das wenig. Sie weigern sich nach wie vor das Werbebild zu ändern. Mit der fadenscheinigen Begründung, dass die Werbung weder gegen irgendwelche Gesetze verstoße, noch in irgendeiner Weise anstößig sei.

Damit scheinen sie aber auch die Einzigen zu sein, die diese Auffassung teilen. Mittlerweile gibt es sogar ein Wiki über die dubiosen Geschäftsgebahren von "genealogie.de" und Ahnenforschung Ltd. Verschiedene TV-Sendungen berichteten bereits über deren Abzocke und Unseriosität. Das Branchenmagazin "Horizont.net" weiß von mehreren Klagen und Beschwerden gegen die Firma. Ahnenforschung Ltd. wird also bald Ärger mit der Justiz bekommen. Mal wieder.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben