Medien : Ruinöser Schluss

Katrin Hillgruber

. ZDF. „Es gibt einen kleinen magischen Moment für den in eigener Sache zuschauenden Romanautor", notierte Ulrich Woelk über die Verfilmung seines Politthrillers „Die letzte Vorstellung“: „Das ist, wenn sich die Figuren erstmals mit ihrem Namen anreden. Namen sind eine Art Licht, in dessen Schein Figuren sichtbar werden." Die mit Vorschusslorbeeren bekränzte Literaturadaption „Mord am Meer“ überragte ihre kolportagehafte Vorlage haushoch. Ein anderer als der maritime Titel wäre freilich nicht verkehrt gewesen, der Film war in weiten Teilen eine rasante, von Hannes Hubach packend gefilmte Berlin-Symphonie.

Als am 2. Juni 1967 Benno Ohnesorg nahe der Deutschen Oper Berlin erschossen wurde, lauschte das persische Herrscherpaar einer Aufführung von Mozarts „Zauberflöte“. Als der Pfarrer von Harde über die Marschwiesen joggt, bemerkt er, dass im Hause des einstigen RAF-Mitglieds Hans Wolgast die Rache-Arie der Königin der Nacht auf der Stelle tritt: Der Hausherr ist regelrecht exekutiert worden. „Warum sollte ich scharf darauf sein, einen Hingerichteten zu sehen?“, blafft die BKA-Ermittlerin Paula Reinhardt mit Ost-Berliner Zungenschlag den Husumer Kommissar Anton Glauberg an, als sie sich erstmals gegenüberstehen.

Dass die beiden Hauptfiguren in ihren biografischen Prägungen, Enttäuschungen und (Liebes-)Hoffnungen so sichtbar wurden, wie Woelk behauptet, dass sie eine ganz eigene, fesselnde Aura entfalteten, ist das Verdienst des „Schauspielerregisseurs“ Matti Geschonneck sowie vor allem von Nadja Uhl und Heino Ferch: Sie als schroffe bis tapsige Karrieristin mit DDR-Trauma, er als viril-wortkarger Melancholiker, der seine familiäre Verwicklung verheimlicht: Er ist der Halbbruder des Ermordeten. Zwischen Funkturm und Schlesischem Tor, Überresten der RAF und alten Stasi-Seilschaften entfaltet sich ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die jüngste deutsche Geschichte gehörig ihre Krallen ausfährt – spannender hat man das lange nicht mehr gesehen.

Zurück am Meer mündet die aufkeimende Liebe in einer Verhaftung, denn Paula selbst war es, die sich für die Erschießung ihres politisch einflussreichen Vaters 1978 durch Wolgast rächte. Hätte sich Drehbuchautor Thomas Kirchner doch hier von der unglaubwürdigen Vorlage emanzipiert! So aber sank die Illusion eines perfekten Films wie ein Soufflé in sich zusammen.

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