Medien : Rundfunk gegen Rassismus

Jenni Roth

Die ARD vergibt in diesem Jahr erstmals einen Civis-Medienpreis für Fernsehbeiträge über das Leben der Roma in der EU. „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, die Vorurteile gegenüber den Roma abzubauen“, erklärte der Vorsitzende des Civis-Kuratoriums, WDR-Intendant Fritz Pleitgen, am Freitag in Berlin.

Um Vorurteile ging es auch im Medienforum „Ich sehe was, was du nicht siehst“ – hier im Zusammenhang mit Rechtsextremen in den Medien. Was sieht das Fernsehen? Sieht es zu viel oder zu wenig? Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck, warnte vor Klischees in der Berichterstattung. Und die Medienmacher gaben sich prompt schuldbewusst: „Wir betreiben eine unangemessene Form des Kampagnen- und Konjunkturjournalismus“ räumte ZDF–Chefredakteur Nikolaus Brender ein.

Eine schwierige Gratwanderung, die Medien vollbringen müssen: Unaufgeregt sein, aber dennoch engagiert und vor allem kritisch. Jörg Schönenborn, Chefredakteur des WDR-Fernsehens, forderte mehr Mut zu gründlicher und investigativer Recherche: „Journalisten halten oft ein Thema hoch, schauen aber nicht darunter“, meinte auch Radiomultikulti- Chefin Ilona Marenbach. Aber es sei„vermessen zu glauben, dass wir berichten und der Rechtsextremismus stirbt aus“, verteidigte Brender seine Zunft. Für die Lösung des Problems sei die Politik zuständig. Doch warnte er davor, sich an der Politikerschelte zu laben, das „unterfüttert die Basis für Populismus“.

Der Hörfunkchef der Deutschen Welle, Miodrag Soric, warnte davor, die Welt in die „guten Journalisten“ und die „bösen Rechtsextremen“ zu teilen: „Wenn man das Bild der Rechten als Täter überzeichnet, erzielt das die gegenteilige Wirkung“. Zudem müsse die Thematik auch im Boulevardfernsehen auftauchen, sagte Brender. Nur so würden alle Zielgruppen erreicht.

Doch auch im Kleinen müsse sich noch mehr bewegen: „Da sind dann die Lokalmedien gefragt, die sind viel näher dran an den Menschen“, sagte Jörg Schönenborn.

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