Rundfunk : Sender im Suchlauf

Die Frequenz 106,0 wird vergeben. Besonders für den Sender Radio B2 steht jetzt viel auf dem Spiel.

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Mit Oldiestar war Oliver Dunk in Berlin angetreten, mit Radio B2 ging er Mitte 2011 auf Sendung. Doch die bisherige Frequenz muss im Sommer abgegeben werden. Foto: Promo
Mit Oldiestar war Oliver Dunk in Berlin angetreten, mit Radio B2 ging er Mitte 2011 auf Sendung. Doch die bisherige Frequenz muss...

Das Stück, das am Freitag in der Medienanstalt Berlin-Brandenburg gegeben wird, hat Ähnlichkeiten mit einem Kinderspiel, mit der Reise nach Jerusalem. Immer wenn die Musik endet, beginnt das Gerangel um die Sitzplätze, und jedes Mal bleibt ein Spieler ohne Stuhl. Die Musik spielt diesmal auf der UKW-Frequenz 106,0 Megahertz. Die Frequenz wird am 1. Juli frei, weil Radio France Internationale zu diesem Zeitpunkt auf die reichweitenschwächere Frequenz 96,7 wechselt. Zwölf Antragsteller bewerben sich um 106,0 Megahertz. Am Freitag nun stellen sie ihre Konzepte dem Medienrat vor. Für einen Sender steht besonders viel auf dem Spiel: Radio B2.

Der Sender war erst Mitte des vergangenen Jahres mit seinem journalistischen Magazinprogramm auf Sendung gegangen. Radio B2 biete das öffentlich-rechtlichste aller privaten Radioprogramme, hatte der Gründer und Geschäftsführende Gesellschafter Oliver Dunk das Konzept von Radio B2 angepriesen. Bevor Radio B2 in Berlin gestartet war, lief der Sender unter dem Namen Oldiestar schon einige Jahre in Brandenburg. Der hohe Wortanteil war auch einer der Gründe, warum die Medienanstalt Oldiestar die Frequenz von Radio Paradiso bei der turnusmäßigen Neuausschreibung im Jahr 2010 zugeteilt hatte.

Das Verwaltungsgericht Berlin hatte Ende 2010 diese Entscheidung der Medienanstalt jedoch aufgehoben, nach der Radio Paradiso seine bisher genutzte Frequenz an Oldiestar hätte abgeben müssen. Das Gericht warf der Medienanstalt „rechtlich beachtliche Fehler“ insbesondere bei der Berechnung des Wortanteils von Radio Paradiso vor. Kein Wunder also, dass sich vor der Anhörung an diesem Freitag kein Beteiligter öffentlich zu Wort melden wollte. Wenn überhaupt auf Anfragen reagiert wurde, dann mit der Bitte um Verständnis, dass man seine Position zuerst dem Medienrat mitteilen wolle, bevor man eine Stellungnahme in der Öffentlichkeit abgebe.

Auch für den Medienrat ist die Ausschreibung keine einfache Angelegenheit. Anhörung und Vergabe müssen ergebnisoffen stattfinden. Jeder noch so kleine Verdacht, es könnte sich um ein abgekartetes Spiel gehandelt haben, kann ein neues juristisches Nachspiel haben. Dies weiß Jutta Limbach, die Vorsitzende des Medienrates und ehemalige Vorsitzende des Bundesverfassungsgerichts, ebenso wie Hans Hege, der Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg.

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