Medien : Rundfunk undercover

Auch fürs Radio wird es künftig „Tatorte“ geben

Hendrik Feindt

Radio ist manchmal das bessere Fernsehen, behauptet Ekkehard Skoruppa, Leiter der Hörspielredaktion im SWR. Ein guter Grund also, den „Tatort“ auch als Hörspiel aufzubereiten. Die ersten Folgen starten im Januar 2008, wurde jetzt auf den Hörspieltagen in Karlsruhe bekannt gegeben. So naheliegend die Idee für die Radio-„Tatorte“ ist, sie scheiterte bislang an der föderalen Struktur der Rundfunklandschaft. Anders als im Fernsehen gibt es im Radio eben kein „Erstes Programm“, keinen gemeinsamen Sendeplatz. Nun aber werden von neun einzelnen Sendeanstalten eigene Hörspiele mit regionalen Schwerpunkten produziert, die dann von Sender zu Sender weitergereicht werden.

Jeden Monat soll es ein fünfzigminütiges „Tatort“-Hörspiel geben. Den Anfang macht am 16. Januar 2008 „Der Emir“ von Peter Meisenberg, eine Produktion des WDR. Das Ende der ersten Staffel wird im kommenden Herbst vom Kulturradio des RBB geliefert: Autor Tom Peuckert hat es „Der Abriss“ betitelt.

An die große Zeit des Kriminalhörspiels in den fünfziger und frühen sechziger Jahren werden die Radio-„Tatorte“ dennoch nicht anknüpfen können. Damals waren die heute als Hörbuch wiederaufgelegten Folgen des „Paul Temple“ von Francis Durbridge oder „Gestatten, mein Name ist Cox“ von Rolf Becker akustische Straßenfeger. Heute hingegen ist Radiohören nicht mehr das kollektive Erlebnis von damals. Auch das Internet hat daran seinen Anteil: Jeder Krimi wird eine Woche lang kostenfrei online unter www.radiotatort.ard.de abrufbar sein.

Noch stärker als im TV-„Tatort“ soll die regionale Bindung der Ermittler betont werden, denn Dialektik und Sprache tragen zur glaubwürdigen Darstellung der Geschichten im Medium Hörfunk bei.

Besonders ist auch die Dramaturgie, die die Krimihörspiele von vielen Fernseh-„Tatorten“ abgrenzt: So sind es nicht mehr die beamteten Kriminalkommissare, denen die Rolle der alleinigen Ermittler zukommt. Vielmehr wird die Handlung mehr und mehr von V-Männern im Dienste des Staates geprägt. Die zunehmende Überwachung der Gesellschaft spielt eine zentrale Rolle. Schon im „Emir“ ermittelt der Sohn einer Deutschen und eines Afghanen (gesprochen von Babi Davrak) undercover gegen einen libanesischen Drogenhändler – und bekommt als Belohnung für seinen Einsatz eine offizielle Stelle im Landeskriminalamt angeboten. Hendrik Feindt

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