Rupert Murdoch und die Abhöraffäre : Öffentliche Reue war wohl nur gespielt

Seine Journalisten haben Telefonate fleißig abgehört. Jetzt wurde Murdoch selber Abhöropfer. Die "Murdoch Tapes" zeigen, dass seine öffentliche Reue nur gespielt war.

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Medienmogul Rupert Murdoch ließ für seine Zeitung "News of the World" jahrelang Telefonate von Prominenten abhören.
Medienmogul Rupert Murdoch ließ für seine Zeitung "News of the World" jahrelang Telefonate von Prominenten abhören.Foto: dpa

Der britische Labour-Abgeordnete Tom Watson hat die Polizei aufgefordert, den Verleger Rupert Murdoch zu verhören, nachdem heimlich mitgeschnittene Gespräche seinen öffentlichen Aussagen zur Hackaffäre zu widersprechen scheinen. Bei seinem letzten Auftritt vor dem Medienausschuss des Parlaments auf dem Höhepunkt der Affäre um das Telefonhacking durch seine Zeitungen im Juli 2011 zeigte sich der heute 82-Jährige einsilbig, vergesslich, aber voller Reue. Nun fragt man sich, ob er die Reue gespielt hat. Denn in einem heimlich mitgeschnittenen Gespräch mit Journalisten der „Sun“ im März schlug Murdoch eine andere Tonart an.

„Dies ist die größte Untersuchung, die je über so gut wie nichts durchgeführt wurde“, spielte er die Affäre herunter. Er bezeichnet die Polizeiuntersuchung als unproportional und inkompetent und nahm seine Journalisten vor Korruptionsvorwürfen in Schutz. Zeitungen hätten seit Hunderten von Jahren Polizisten „Trinkgelder“ für Nachrichtentipps gegeben. Mit ihrer Korruptionsuntersuchung „machen sie noch das ganze Zeitungsgeschäft kaputt“, sagt Murdoch auf den „Murdoch Tapes“.

Murdoch kritisiert in dem Mitschnitt die Entscheidung des NewsCorp-Managements, zeitungsinterne E-Mails an die Polizei ausgehändigt zu haben, als „Fehler“. Der Labourabgeordnete Watson will wissen, ob Murdoch der Polizei jetzt Informationen vorenthält. „Ich hoffe die Polizei wird Murdoch fragen, was er über die Kriminalität in seiner Organisation gewusst hat“. Murdoch habe dem Parlament andere Dinge gesagt als seinen Mitarbeitern. News Corp stellte sich in einer Erklärung hinter seinen Vorsitzenden Murdoch. „Kein anderes Unternehmen hat so viel getan, um herauszufinden, was falsch lief, Opfer zu entschädigen und sicherzustellen, dass Fehler nicht wieder vorkommen.“ Murdoch habe Journalisten aus „Sympathie“ in Schutz genommen.

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