Medien : Russische Verteidigung

Christiansen, der Botschafter und ein abwesender Gast

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Mindestens so unterhaltsam wie bei Günther Jauchs Jahresrückblick war es am Sonntagabend im Ersten bei „Sabine Christiansen“. Schon wegen dieses Themas: „Die Russen kommen“. Um der vermeintlichen Gefahr aus dem Osten Herr zu werden, hatte sich die Redaktion eine der interessanteren Runden eingeladen. Mittendrin saß Russlands Botschafter in Berlin. Wladimir Kotenew ließ es sich nicht nehmen, eine Ermahnung Angela Merkels zurückzuweisen. Die Bundeskanzlerin hatte Russland aufgefordert, die Ermittlungen im Fall Litwinenko mit Nachdruck zu unterstützen. Der Botschafter sagte: „Wir sind nicht minder interessiert, die Wahrheit zu erfahren.“

Außer von Hessens Innenminister Volker Bouffier („Heute ist der Tag der Menschenrechte, und da hätte ich mir gewünscht, dass auch in Russland der Präsident klar Stellung bezieht.“) blieben derlei Äußerungen ziemlich unwidersprochen. Die ganze Diskussion hatte einen recht Kreml-freundlichen Beigeschmack. Was nicht nur an der früheren Moskau–Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz lag, die die wiederholten Verweise des „Mafiaexperten“ Jürgen Roth auf demokratische Defizite und kriminelle Strukturen im Riesenreich heftigst zurückwies. Es hätte noch heftiger werden können. Zunächst war geplant, den prominenten Kreml-Kritiker Garry Kasparow aus Moskau zuzuschalten. Am Freitagnachmittag wurde davon in der Redaktion Abstand genommen. Nach Medienberichten soll Kasparow auf Druck des russischen Botschafters ausgeladen worden sein. Kotenew soll gedroht haben, seine eigene Teilnahme abzusagen. Ex-Schachweltmeister Kasparow wird mit dem Satz zitiert: „Leider ist die Praxis der russischen Regierung, Einfluss auf die Medien zu nehmen, nun auch in Deutschland zu beobachten.“ Starker Tobak. „Das stimmt nicht“, sagt Michael Ortmanns vom „Christiansen“-Produzenten TV21. Man habe die Schalte zu Kasparow technisch nicht hinbekommen. Und: „Wir lassen uns von keinem Gast vorschreiben, wen wir einladen.“

Kasparow selbst war am Montag nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Die „Christiansen“-Redaktion habe den Kreml-Kritiker, so Ortmanns, zu einer weiteren Sendung eingeladen. Dann könnten ein paar Leute mehr zuschauen. „Sabine Christiansen“ hatte trotz „Die Russen kommen“ mit 2,9 Millionen eine eher unterdurchschnittliche Quote.meh

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