Russlands Helfershelfer : Arroganz mit Algorithmus

Russland konnte sich via Facebook, Google und Twitter in den US-Präsidentschaftswahlkampf einmischen. Weil die Konzerne die Möglichkeit zum Missbrauch ignorierten. Ein Kommentar.

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Colin Stretch (Facebook, links), Sean Edgett (Twitter, Mitte) und Richard Salgado (Google) äußern sich im US-Senat zur russischen Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahl.
Colin Stretch (Facebook, links), Sean Edgett (Twitter, Mitte) und Richard Salgado (Google) äußern sich im US-Senat zur russischen...Foto: REUTERS

Einer wollte nichts hören, der andere nichts sehen, der dritte wollte nichts sagen. Die drei Affen, das sind Google, Facebook, Twitter. Die Digitalgiganten geben sich bestürzt, jetzt, da offenbar wird, dass Russland die Plattformen als Werbevehikel benutzt hat, um den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl 2016 zu beeinflussen. Ob die Aktionen erfolgreich waren, ist nicht erwiesen, erwiesen aber ist, dass die russische Troll-Farm „Internet Research Agency“ allein bei Facebook mehr als hundert Millionen Nutzer erreichen konnte, ohne dass das soziale Netzwerk es bemerkt haben will.

Facebook oder Google: Beide nutzen Algorithmen als sagenhaft lukrative Gewinntechnologie. Aber so raffiniert Algorithmen bei der Steuerung und Platzierung von Werbung auch sind, so ausrechenbar scheinen sie dabei auch zu sein. Silicon Valley ist so versessen aufs Geldscheffeln und so stolz auf sein Selbstbild einer besseren, funktionierenden Weltgemeinschaft, dass die galoppierenden Risiken vielfältigen Missbrauchs weggepostet, weggegoogelt und weggetweetet wurden. Das wird nicht länger funktionieren. Wer Missbrauch sät, der wird Misstrauen ernten. Dagegen hilft kein Algorithmus, dagegen helfen Regeln, Personal und Transparenz. Wie in der verachteten, der analogen Welt.

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