Medien : Sag Nein

Thomas Gehringer

Einen schönen Gruß zum Valentinstag aus Mainz: Ausgerechnet am "Tag der Liebenden" erinnert das ZDF an die Phase zwischenmenschlicher Beziehungen, in der Blumen längst verwelkt sind und Vasen allenfalls zum Werfen benutzt werden. "Ich lass mich scheiden" heißt eine vorerst zwölfteilige Reihe, die ab kommenden Donnerstag auf dem Sendeplatz von "Streit um drei" (15 Uhr 10) getestet wird. Man hätte dem biederen ZDF diese nette kleine Bosheit bei der Programmplatzierung gar nicht zugetraut, doch sie ist auf jeden Fall realitätsnah: Immerhin wurden 37 Prozent der in den letzten 25 Jahren geschlossenen Ehen in Deutschland mittlerweile wieder geschieden (laut Statistischem Bundesamt; Stand: 2000).

Zugleich feiert das jahrzehntealte Format "Ehen vor Gericht" im aktuellen Boom der Gerichtsshows eine überraschend schnelle Wiederauferstehung, allerdings in neuem Gewand. Denn "Ich lass mich scheiden" wird zwar wie der im Jahr 2000 abgesetzte Vorgänger von der Hamburger Televersal produziert, doch die dramaturgische Klammer bildet diesmal keine Gerichtsverhandlung, sondern die Einigung des Paares bei Anwaltsbesuchen vor dem Prozess. Das unterscheidet die Reihe auch vom jüngsten RTL-2-Flop: "Das Scheidungsgericht" setzte am 8. Januar auf spektakuläre, vor Gericht verhandelte Konflikte (Samenraub, Vergewaltigung), wird aber nicht fortgesetzt.

Das ZDF versucht es weniger boulevardesk, auch wenn die Reihe natürlich ebenfalls der Unterhaltung geschuldet ist und nicht etwa der juristischen Nachhilfe. ZDF-Redakteurin Eva Appel verspricht Fälle, die "aus dem Leben gegriffen, unterhaltsam und anspruchsvoll" sind. Erfunden seien sie schon, allerdings hätten sich die insgesamt sechs Autoren einfach im Freundeskreis umgehört und dort genügend Stoff gefunden, "von den ganz fiesen Varianten bis zu den einvernehmlichen Geschichten", erklärt Appel.

So beginnt der erste Fall mit leiser Klaviermusik und der romantischen Erinnerung von Melanie und Jan Berger an ihre erste Begegnung. Doch schon kurz darauf sieht man die Wut schnaubende Ehefrau vor ihrer Anwältin sitzen, weil der Ehemann eine zweite Familie in Budapest gegründet und jahrelang verheimlicht hat. Nun will sie ihn nicht nur aus dem von ihrem Erbe erworbenen Haus hinauswerfen, sondern am liebsten auch jeden Kontakt der beiden eigenen Kinder zu der Halbschwester in Ungarn verbieten. Neben den Gesprächen mit den Anwälten treten die von Schauspielern dargestellten Hauptbeteiligten, darunter in einigen Folgen auch die Kinder, immer wieder alleine vor die Kamera und kommentieren fürs Publikum den Stand der Dinge. Schlichte Grafiken sollen zwischendurch den juristischen Kern des Scheidungsstreits abbilden.

Allzu lang ist jedoch zum Auftakt die Szene des entscheidenden Einigungsgesprächs geraten. Hier packen Frau und Mann in ihrer Erregung die absurdesten Alltagsstreitigkeiten aus. Das mag realistisch sein, aber man ist doch froh, dass Anwältin Ingeborg Rakete-Dombek irgendwann bemerkt: " Vielleicht können wir das hierdoch mal abhaken."

Frau Rakete-Dombek heißt übrigens auch im wahren Leben so und arbeitet in Berlin als Familienanwältin. Insgesamt hat das ZDF sechs Anwälte für das authentische Spiel vor der Kamera ausgewählt, drei Frauen und drei Männer. Diese zu finden, sei in Berlin kein Problem gewesen, heißt es. Gerne nahmen die Juristen die Gelegenheit wahr, um nebenbei ein paar Botschaften unters Volk zu streuen. Zum Beispiel: "Wir wollen wegkommen vom Bild des Anwalts als Streithansel", sagt Ingeborg Rakete-Dombek. Welcher Tag wäre da besser geeignet als der Valentinstag.

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